"Wir machen gut Strecke!"

29.) Kasachstan

Stadion:

Almaty – Ortalıq Stadion

Spiel:

23.06.2019 – FC Kairat Almaty vs FC Zhetysu Taldykorgan
Kasachstan, Premier League – 0:0 – Z: 7.500

Pictures from Charyn Canyon and Bartogay Lake / Bilder vom Charyn Canyon und Bartogay See gibt es hier: www.sportandtravel.de/2019-06-24-charyn-canyon-bartogay-see/

Report:

Direkt neben meinem Hotel ist das Ortalıq Stadion oder auch Zentralstadion von Almaty. Eine typische Ostschüssel die aber ziemlich gut in Schuss ist und sicher auch schon einige Renovierungen erlebt hat.

Genau diese Art von Stadien finde ich am besten (bis auf eine Laufbahn). Eine markante Haupttribüne, ein weites Rund, ein Marathontor auf einer Seite, der spezielle Bereich auf der anderen Seite, ein große Anzeigetafel und viele Details wie der Eingangsbereich mit Statuen und die Ornamente mit verschiedenen Sportarten. Deswegen wollte ich beim ersten Kasachstan Besuch lieber nach Almaty als nach Astana.

Im Stadion traf ich mich noch mit Axe einer Kairat Fannin (oder wie dat jetzt nach dem Genderwahnsinn geschrieben wird) die ich über Instagram kannte. Wir schauten uns das Spiel dann zusammen an und sie konnte mir einige Sachen zum Verein und zum Fußball in Kasachstan erzählen. Viele Grüße an dieser Stelle!

Nachdem am Vortag die Zweitvertretungen gegeneinander spielten, gab es heute die beiden ersten Mannschaften von Kairat und Zhetysu in der höhsten kasachischen Liga. Für schlanke 2.000 Tenge (4,60 EUR) gab es Tickets auf der Haupttribüne. Die billigste Karte konnte man für 500 Tenge (1,20 EUR) erwerben. Da würde selbst der geizigste Schotte feucht werden unterm Rock!

Um die 7.500 Zuschauer kamen heute, darunter ein paar aus dem ca. 270 km entfernten Taldykorgan. Für Kasachstan ein Katzensprung. Auf Heimseite baute sich sogar der Supporter Haufen der Almaty Ultras in der Kurve auf. Die meiste Stimmung entstand dann aber doch wenn die Haupttribüne mal anfing Lärm zu machen. Erst recht als der Verein so gütig war wegen Regen die überdachte Tribüne für alle zu öffnen.

Leider endete das Spiel mit einem torlosen Unentschieden und somit blieb mir der kasachische Torjubel verwehrt. Der Abend fand seinen Abschluss dann beim Koreaner und seinen tausend Köstlichkeiten.

Am Montag traf ich mich wieder mit John denn ich wollte unbedingt den Charyn Canyon sehen und er die Tour organisierte. Wir trafen uns wieder bei seiner Wohnung und zusammen mit einem Mutter-Tochter Paar aus Almaty und einem Tschechen ging es die knapp 250 km über eine gut ausgebaute Autobahn und später etwas über Land zu unserem Ziel.

Zuerst liefen wir ein paar Kilometer durch den Charyn Canyon. Hier hat die Natur und die Gezeiten eine unwirkliche Landschaft und Felsformationen hinterlassen die locker in jeden Western oder Indiana Jones Film passen könnte. Wir liefen bis zu einem Camp am gleichmamigen Fluss. Dort machten wir etwas Pause und ließen uns dann wieder zum Ausgangspunkt zurück fahren. Wieder war das Glück auf unserer Seite, denn es waren quasi keine anderen Reisegruppen unterwegs. Erst später kam ein riesen Busladung mit knalligen T-Shirts in allen Regenbogenfarben die jedes Bild versauen.

Zurück am Ausgangspunkt fuhren wir mit John’s Jeep am Rand des Canyons entlang von wo aus es nochmal wunderschöne Ausblicke über die Landschaft gab. Ein unfassbar geiles Naturschauspiel. Der Vergleich zum Grand Canyon liegt nahe, nur ist der Charyn Canyon um einiges kleiner aber nicht weniger spektakulär.

Auf dem Rückweg hielten wir außerdem am Bartogay See. Keine Menschenseele weit und breit. Weite Landschaften, herrliche Berge und ein riesiger See. Wir waren die einzigen in dieser Mondlandschaft aber genau deshalb war es einfach weltklasse! Diesen Abstecher zum See macht auch nicht jeder Touranbieter. Ich kann es nur erneut erwähnen, dass John ein super Guide ist und ich ihn absolut weiter empfehle!

Den Trip gab es übrigens zum Schnapperpreis von 9.000 Tenge (21 EUR) wieder inklusive ein paar Snacks und Getränke. Am Ende drückte ich ihm 12.000 Tenge in die Hand. Was soll der Geiz?!

Somit war das Sport- und Kulturprogramm in Kasachstan erledigt. Almaty ist direkt in die Top 5 meiner bisher besuchten Städte eingestiegen. Das Gesamtpaket stimmt einfach!

Am nächsten Tag stand der Transfer nach Bishkek in Kirgisistan an.

Stadion:

Almaty – Stadïon Akademïï T.S.Segïzbaeva

Spiel:

22.06.2019 – Sport Academy Kairat vs FC Zhetysu Taldykorgan II
Kasachstan, 1.Division/Birinshi Liga – 2:0 – Z: 90

Pictures from Almaty / Bilder aus Almaty gibt es hier: www.sportandtravel.de/2019-06-22-almaty-kasachstan/

Report:

Der Fahrer kämpfte sich durch den Verkehr von Almaty und setzte mich fast pünktlich am Gelände der Kairat Academy ab. Für seine Mühe gab es auch statt der vereinbarten 1.200 Tenge für die Fahrt 2.000 Tenge (4,60 EUR). Durch ein von der Miliz bewachtes Tor ging es zum kleinen Stadion. Das ganze Areal scheint relativ neu und modern zu sein. Es gibt ein Verwaltungsgebäude, mehrere Plätze und weitere Sporteinrichtungen. Kairat will wohl richtig angreifen und gegen den übermächtigen und bevorzugten Hauptstadtclub antreten. Wird der FK Astana sich jetzt eigentlich in FK Nursultan umbenennen?

Um die 90 Zuschauer hockten bereits auf der neuen Tribüne. Der Spieler mit deutschen Wurzeln Sergey Keiler verabschiedete mit einem heftigen Foul und glatt Rot vom Platz. Trotzdem war Kairats Zweitvertretung besser und konnte das Spiel in Unterzahl gewinnen. Auf der Tribüne saßen schon die ersten FC Zhetysu Fans die sicher auch am nächsten Tag beim Spiel der Ersten gegen den FC Kairat dabei sind.

Die Miliz stand nicht nur am Eingangstor sondern auch um das Spielfeld herum. Nicht nur zum ablungern und Fußball schauen, das machten nur die höheren Ränge auf der Tribüne. Die Footsoldier durften tatsächlich auf der Gegenseite wo im Prinzip gar nichts war auf einem abgezäunten Gelände ins nichts schauen und mussten außerdem vom Spielfeld wegschauen. Ein bisschen übertrieben, wurde aber knallhart durchgezogen.

Der ganze Aufmarsch hinderte mich auch daran eine kleine Fotorunde zu drehen. Deswegen versuchte ich mein Glück nach dem Spiel bei den Offiziellen. Hierbei stellte sich heraus, dass der Angesprochene Wolfgang Geiger Deutscher ist und dazu noch der Akademieleiter. Er wusste was Groundhopping ist und war sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Ich durfte einige Minuten nach Abpfiff dann auf das Spielfeld und konnte meine Fotos machen. Vielen Dank dafür!

Der Kasachstan Doppler war erfolgreich absolviert und nun war es Zeit sich wieder auf den Weg zurück zu machen. Die Kairat Academy befindet sich an der Straße zum Flughafen also konnte ich wieder den bereits bekannten Airport Bus nehmen.

Für Sonntag war leider kein Fußball mehr vor dem abendlichen Kairat Heimspiel aufzutreiben aber ich hatte ja bereits ein Spiel mehr als geplant gesehen. Also fuhr und lief ich noch ein bisschen durch die Stadt. Ich besuchte die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale und das Soldatendenkmal mit ewigen Feuer im Park der 28 Panfilowzy. Hier war schon buntes Treiben aber ein paar Straßen weiter tobte im Zentralen Park für Kultur und Freizeit richtig das Leben.

Hier gibt es einen Aquapark, einen Vergnügunspark mit Fahrgeschäften, einen See den man zum Bsp. mit Tretbooten befahren kann und viele Verkaufsstände. Außerdem lief auf dem Basketballfeld ein 3 gegen 3 Turnier für Jugendliche. Alle Bilder gibt es wie immer oben im Link. Das reichte dann auch für den Tag. Die Sonne knallte und das Thermometer stieg auf 32 Grad.

Nach einem Mittagessen und Zwischenstopp zum Abkühlen im Hotel ging ich zum Ortalıq Stadion direkt vor der Tür …

Stadion:

Almaty – Zavet Stadium

Spiel:

22.06.2019 – SKA Almaty vs CSKA Almaty
Kasachstan, Stadtliga Almaty – 11:0 – Z: 10

Pictures from Big Almaty Lake / Bilder vom Big Almaty Lake gibt es hier: www.sportandtravel.de/2019-06-21-big-almaty-lake/

Pictures from Kok Tobe / Bilder vom Kök-Töbe gibt es hier: www.sportandtravel.de/2019-06-22-koek-toebe/

Report:

Der Bier Baron hatte einen Tourvorschlag. Wenn ein Bericht schon so los geht, kann es nur schmierig werden. Der feine Herr wollte mit Schmierbjörn und Flo V nach Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan. Leider passte mir der Zeitraum und die Dauer nicht ganz, inspirierte mich aber zu einer eigenen Tour bei der es bei meinem letzten Tourspiel in Bishkek in Kirgisistan bzw. dem ersten Tourspiel der Reisgruppe Dauerdurchfall zum Aufeinandertreffen kommen sollte.

Außerdem wollten die anderen in Kasachstan nach Astana bzw. seit neuestem Nursultan. Ich dagegen hatte schon seit längerem ein Auge auf die ehemalige Hauptstadt Almaty. Zum einen wegen der Stadt, dem cooleren Stadion vom FK Kairat und den nahegelegenen Ausflugszielen wie dem Big Almaty Lake und dem Charyn Canyon.

Dementsprechend buchte ich mir meine Flüge. Den Zuschlag bekam Turkish Airlines mit dem Gabelflug Hamburg – Almaty – Bishkek – Hamburg von Donnerstag bis Donnerstag. Somit Freitag Morgen Ankunft in Almaty und ein Heimspielwochenende dort und dann am Mittwoch Abend das AFC Cup Heimspiel von Dordoi Bishkek. Zwischen Almaty und Bishkek gibt es einen regen Taxi-, Bus- und Marshrutka Verkehr. Also sollte der Transfer auch kein Problem sein und damit stand die grobe Planung.

Trotz Upgrade auf die Notausgangreihe auf beiden Teilflügen (Hamburg-Istanbul-Almaty) fand ich nur wenig Schlaf und kam leicht gerädert am Freitag Morgen in Almaty an. Vielleicht lag es auch daran, dass ich lieber ein paar Filme schaute als zu schlafen. Nach Geld ziehen ging es an der zu erwartenden Taxi Meute vorbei zum Linienbus der mich für 250 Tenge (knapp 60 Cent) direkt in Zentrum der Stadt fuhr. Hier sprang ich am Stadion von Kairat dem Ortalıq Stadion raus bzw. der Metro Station Baikonur wo sich auch mein Hotel befand.

Ich legte nur mein Gepäck ab und machte mich frisch und dann lief ich weiter zum Treffpunkt mit John, meinem Guide für heute. Bei ihm hatte ich für 5.000 Tenge (11,50 EUR) eine Tour zum Big Almaty Lake im Tien Shan Gebirge, das die Stadt umgibt, gebucht. Ein ziemlich guter Preis für das rundum sorglos Paket wenn man mal so im Internet schaut was es da so für Angebote gibt.

Mit dabei waren seine kleine Tochter und seine Nichte die zu Besuch war sowie ein Mädchen aus Mexiko. Mit seinem Jeep fuhren wir in die nördlichen Berge. Erster Stopp war ein kleiner Wasserfall dessen Wasser in einem Rohr über einen Hang transportiert wurde und wir bedenkenlos trinken konnten. Danach ging es weiter zum großen See.

Der Big Almaty Lake ist Teil eines Nationalparks und bietet einen herrlichen Ausblick. Aus dem Gletscherwasser des Bergsees wird Trinkwasser für die Region erzeugt. Dadurch ist der See zum Baden gesperrt und wird durch das Militär bewacht. Touristen dürfen sich dem See nur bis zu einem bestimmten Punkt nähern. John meinte aber es keine Miliz zu sehen, also konnten wir bis zum Ufer und einem Wasserfall herunter gehen.

Perfekt getimed, denn nachdem wir unsere Bilder im Kasten hatten kam ein Militärmensch mit Megafon der uns verscheuchte. Zum Glück blieb es dabei. Da hatte ich im Netz schon ganz andere Storys gelesen. Mit Bestechungszahlung und/oder Besuch auf dem Revier. Aber heute war alles entspannt.

Der See mit dem Bergpanorama ist wirklich ein wunderschöner Ort und wir hatten ihn bei bestem Wetter fast für uns allein. Wieder erwischten wir den perfekten Zeitpunkt, denn gerade als wir los wollten zog sich der Himmel ein wenig zu und es regnete. Dazu kam noch eine größere Reisegruppe die sich wild knippsend auf dem Gelände verteilte.

Für uns ging es weiter bzw. noch höher in die Berge zur Kosmosstation dem Astronomischen Observatorium. Während in der Stadt absolute Hitze war, lag hier oben Schnee. Wir mussten noch durch eine Militärkontrolle an einem Checkpoint. Aus Erfahrung wusste John, dass die Miliz manchmal keine Kinder durchlässt. Also versteckten sich seine Tochter und seine Nichte kurzerhand unter einer Decke im Auto.

Am Checkpoint wurden dann die Pässe kontrolliert und wir durften passieren. Ein bisschen Nervenkitzel mit Grenzkontrollenfeeling. Oben angekommen machten wir ein kleines Picknick mit kasachischem Gebäck, Trockenfrüchten und Tee. Danach ging es wieder zurück mit zwei weiteren Zwischenstopps an Wasserfällen. Ein toller Ausflug mit Familienanschluss über mehrere Stunden zum Bestpreis. John kann ich nur empfehlen!

Zurück in Almaty lief ich noch mal beim Dinamo Stadion ganz in der Nähe meines Hotels vorbei um rauszufinden ob dort am Wochenende vielleicht noch Fußball gespielt wird. Dort traf ich auf eine Schiedsrichterin die gutes englisch spricht und mein Anliegen verstand. Leider sollten im Dinamo Stadion das ganze Wochenende nur Jugendspiele stattfinden.

Dafür wusste sie aber, dass am nächsten Tag im Zavet Stadion ein Herrenspiel statt finden sollte, da sie dort als Linienrichterin vorgesehen war. Das Spiel passte mir sehr gut mit dem darauf geplanten Heimspiel von Kairat Academy, quasi der Zweiten Mannschaft vom FC Kairat. Zurück im Hotel war der erste ereignisreiche Tag in Kasachstan erfolgreich absolviert.

Am nächsten Morgen folgte noch ein wenig Sightseeingprogramm und der Besuch des Kök-Töbe, dem Hausberg Almatys. Diesen kann man per Bus oder mit der Seilbahn erreichen. Diese Variante wählte ich und war kurz nach Öffnung der Seilbahn um 10:00 einer der Ersten am heutigen Tage. Von oben hat man einen tollen Ausblick über die Stadt. Auf dem Berg findet man den leider nicht begehbaren Fernsehturm, Fahrgeschäfte, einen kleinen Zoo, Souvenirstände sowie Cafés und Restaurants. Außerdem eine Beatles Statue, bei der ich aber nicht weiß in welchem Zusammenhang diese mit Almaty steht. Ich empfehle übrigens die Anreise am Morgen, da man dann die Sonne noch hinter sich hat und es dadurch den besten Blick gibt.

Nachmittags sollte es nun endlich zum Fußball gehen. Der Länderpunkt sollte mit Stadtliga Almaty fallen. Es geht kaum besser ;) Das kleine Zavet Stadion ist ein Kunstrasenplatz mit einer kleinen langgezogenen Tribüne mit bunten Sitzen.

Ein Feldspieler von CSKA holte sich mit einer unüberlegten Aktion glatt rot. Er fischte einen sicheren Torschuss mit den Händen aus dem Tor. Es folgte ein Strafelfmeter und der Anfang vom Ende. Außerdem klagte der Torwart in der Halbzeitpause über Atemprobleme und konnte nicht weiter spielen. Für ihn ins Tor ging der des Platz verwiesene Spieler (keine Ahnung wie das möglich ist) der bereits seine Torhüterfähigkeiten bewiesen hatte. Trotzdem gab es am Ende 11 Gegentore.

Hier lernte ich noch einen angehenden Arzt kennen der für dieses Spiel abgestellt wurde. Er interessiert sich nicht wirklich für Fußball und zeigte mir wie man sich während des Spiels und im harten Ärztealltag sonst noch so die Zeit vertreiben konnte. Er war es auch, der mir nach überpünktlichem Abpfiff ein Privat-Taxi zum Spiel bei Karait Academy am Stadtrand in der Nähe des Flughafens vermittelte. Mit einer ähnlichen App wie Uber oder Grab ging es für 1.200 Tenge (2,80 EUR) und dem Länderpunkt Kasachstan im Gepäck die über 13 km zum nächsten Spiel.