"Wir machen gut Strecke!"

51.) Oman

Stadion:

Masqaṭ – Sultan Qaboos Sports Complex

Spiel:

19.11.2019 – Oman vs Indien
WM-Qualifikation Asien, Gruppe E, 6.Spieltag – 1:0 – Z: 24.500

Bilder Masqaṭ / pictures from Muscat – Oman: www.sportandtravel.de/2019-11-19-masqat-oman

Report:

Zum letzten Teil der Reise durch den Nahen Osten ging es mit SalamAir, einer omanischen Fluglinie, von Doha nach Masqaṭ. Am Flughafen angekommen bezahlte ich an einem Schalter 5 Oman-Rial (ca. 12 EUR) Gebühr für das Touristenvisum und ging dann zur Passkontrolle. Diese wurde auch recht schnell abgewickelt und schon konnte ich das Land betreten.

Unwissentlich kam ich genau am Nationalfeiertag bzw. Unabhängigkeitstag des Omans an. Der ganze Flughafen aber auch die ganze Stadt und die Straßen sind in den Nationalfarben geschmückt. Einige Gebäude werden im Dunkeln mit den Farben der Flagge angestrahlt und es gibt sogar bewegte Projektionen an den Gebäudewänden.

Während der gesamten Zeit merkte ich wie unglaublich bemüht freundlich die Omanis waren. Das ging am Flughafen schon los. Die Mitarbeiter trugen Seidenschals und Pins für den Feiertag. Als ich eine Mitarbeiterin fragte warum alles so geschmückt aussieht und wo ich so einen Schal bekommen könnte, sagte sie mir der wäre nur für Mitarbeiter und gäbe es nicht zu kaufen. Also schenkte sie mir ihren Schal und Pin einfach.

Sogar die Zöllner, die sonst nicht für übersprudelnde Liebenswürdigkeit bekannt sind, hatten einen Anflug von Freundlichkeit. Das zog sich über den gesamten Aufenthalt. Jeder Busfahrer, Verkäufer oder einfach nur Menschen auf der Straße waren super gastfreundlich.

Dazu zwei prägende Ereignisse: Der doofe Deutsche (böse Zungen würden diese Formulierung Tautologie oder sogar Pleonasmus, zumindest eine schöne Alliteration, nennen!) läuft in der omanischen Mittagshitze zum ca. 4 km entfernten Meer. Irgendwo unterwegs standen zwei Herren vor einem Haus und sahen mich etwas planlos durch die Gegend laufen. Ich wurde angesprochen wohin ich wolle und nach meiner Erklärung wurde ich umgehend ins Auto eingeladen und die paar Kilometer zum Strand gefahren. Ohne Gegenleistung, ein einfaches “thank you so much” war ausreichend.

Auf dem Rückweg, als ich an einem Parkplatz vorbei lief, stieg eine Frau aus ihrem Auto,kam auf mich zu und schenkte mir original verpackte omanische Süßigkeiten. Einfach weil sie mich zufällig gesehen hatte. Hier hinterließ der Oman einen wirklich guten Eindruck. Sowas hatte ich in der Form noch nie erlebt.

Im Oman war man also gut drauf, es war Nationalfeiertag und das steigerte natürlich die Vorfreude auf das Länderspiel gegen Indien.

Scheinbar muss es beim vorigen Spieltag, ebenfalls ein Heimspiel, gegen Bangladesch ziemlich chaotisch zugegangen sein. Gegen Indien konnte man mit ähnlich vielen Zuschauern und vielen Gästefans rechnen. Deswegen hatte sich der Verband dazu entschlossen das Ticketkontingent für die Gäste auf 3.000 zu begrenzen. Diese gab es nur an bestimmten Verkaufspunkten wie z.Bsp. einigen Tankstellen. Der Eintritt für Omanis dagegen ist per Gesetz frei!

Da eine Tankstelle, die Tickets verkaufte, ganz in der Nähe meines Hotels war, wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen und besorgte mir dort eine Karte für 5 OMR (ca. 12 EUR). Am Ende war es kein Problem und ich konnte das Stadion ohne Vorzeigen eines Tickets betreten. So blieb es wenigstens als Souvenir unbeschädigt.

Wie bereits beim Spiel in Kuwait wurde auch dieses kurzfristig verlegt. Nur dieses mal war es von einem kleinen Stadion in ein viel Größeres , nämlich von Seeb nach Masqaṭ ins Nationalstadion im Sultan Qaboos Sports Complex. Das war heute auch notwendig denn es herrschte ein riesiger Andrang den die ebenso zahlreich anwesende Miliz zu bewätltigen hatte. Am Ende waren es fast 25.000 Zuschauer die das Spiel sahen. Eine Mega Kulisse für omanische Verhältnisse.

Ich suchte mir ein Plätzchen in der Kurve und war richtig begeistert von der Stimmung. Die Omanis waren super aufgelegt und ich erlebte einen ziemlich orientalischen Support. Mit traditionellen Instrumenten wurde musiziert, getrommelt und dazu gesungen. Ultramässig gab es Vorsänger und es gingen sogar geschlossen die Arme noch oben.

Am Anfang waren auch die indischen Gäste gut zu hören, verstummten aber nach dem frühen 1:0 und waren von da an kaum noch zu vernehmen. Die Oman Fans hatten von nun an die volle Stimmungshoheit. Mehrfach schwappte die Welle durch das Stadion und die gute Stimmung hielt das ganze Spiel lang an. Besonders da Oman die knappe Führung über die Zeit bringt und so wichtige drei Punkte für die WM Qualifikation holt.

Zufrieden verließ ich das Stadion und lief die zwei Kilometer durch die fröhliche Masse und den Abfahrtsstau zu meinem Hotel. Ich hatte bereits ausgecheckt und nur noch meinen Rucksack im Hotel abgelegt, da mein Flieger nachts kurz nach 2:00 Uhr abhob und sich eine weitere Übernachtung daher nicht lohnte.

Nach dem langen Tag war ich mehrfach durchgeschwitzt. Man läuft durch die Gegend und ist durch, geht irgendwo im klimatisierten Imbiss essen und akklimatisiert sich, geht weiter und ist wieder durch, Zwischenstopp im klimatisierten Hotel und man akklimatisiert sich wieder … usw. den ganzen Tag lang. Da ich noch einen längeren Heimweg hatte, fragte ich im Hotel ganz vorsichtig nach ob sie vielleicht noch eine Möglichkeit zum Duschen hätten. Die nette Rezeptionistin aktivierte mir kurzerhand eine Türkarte und gab mir ein Zimmer. Mein Trinkgeld dafür musste ich ihr quasi aufzwingen. Erneut punktete Oman mit unglaublicher Gastfreudlichkeit.

Wieder frisch fuhr ich mit dem Bus für den einen OMR (ca. 2,40 EUR) ein paar Minuten zum Flughafen und mit Turkish Airlines ging die Reise über Istanbul zurück nach Hamburg.

Die Reise in den Nahen Osten brachte wieder viele neue Eindrücke und interessante Reiseerfahrungen, für die Region ziemlich gute Spiele sowie mit Kuwait, Katar und Oman drei neue Länder auf der Liste.