"Wir machen gut Strecke!"

74.) Uganda

Stadion:

Kampala – Lugogo Stadium / Star Times Uganda Stadium

Spiel:

19.02.2020 – Proline FC vs BUL FC Jinja
Uganda Premier League – 3:1 – Z: 150

Bilder aus Kampala / pictures from Kampala – Uganda: www.sportandtravel.de/2020-02-19-kampala-uganda

Report:

Nach dem langen und ereignisreichen Vortag wollte ich es etwas ruhiger angehen lassen. Außerdem sollte bereits am nächsten Tag in den frühen Morgenstunden mein Rückflug nach Deutschland gehen.

Mit der gestrigen geführten Tour durch die Stadt und dem heutigen angepeilten Spiel nur 3 km vom Hotel entfernt, machten die Übernachtungen in Kampala Sinn. Wenn man sonst nichts in der Hautpstadt vor hat und auf die Hektik dort verzichten kann, empfehle ich sich ein Hotel im viel schöneren und entspannten Entebbe zu suchen.

Ich konnte jedenfalls gemütlich ausschlafen, ein bisschen sightseeing light machen und Souvenirs einkaufen.

Dazu lief ich zu einem kleinen Souvenir Markt ganz in der Nähe meines Hotels und nach zähen Verhandlungen konnte ich die Sachen und Mitbringsel für zu Hause erstehen.

Damit ging ich wieder zurück zum Hotel, legte die Sachen ab und schnappte mir eine Motorradtaxi, dass mich in wenigen Minuten zum Spiel brachte.

Proline FC, der letzte der Liga, empfing im Heimstadion des KCCA FC von gestern die Mannschaft vom BUL FC aus dem ca. 80 km entfernten Jinja. Überraschenderweise gewinnt Proline das Spiel, was gerade bei den Toren für ungeahnte Jubelszenen führte.

Das Lugogo oder Star Times Uganda Stadium ist dann nicht gerade die schönste Stadionperle, aber wenn ich schon mal hier bin, nehme ich den Kick natürlich mit.

Der Zuschauerandrang hielt sich mit ca. 150 Leuten auch in Grenzen. Bis auf eine Handvoll Supportwillige wurde hier einfach nur Fußball geschaut. Die gern gesehenen Fan-Paradiesvögel suchte man heute vergebens.

Im Stadion traf ich noch Cezary, einen in England arbeitenden Polen, den ich bereits gestern im Stadion kurz getroffen hatte. Er knallte sich bei der Hitze das günstige Bier rein und machte sich so das Spiel erträglicher.

Damit war auch auf dieser Reise der sportliche Teil in Sack und Tüten. Ich verabschiedete mich von Cezary und per Motorradtaxi ging es zurück zum Hotel.

Rückblickend lassen sich die folgende Eigenschaften für alle bisher in Afrika besuchten Länder feststellen: Die Spiele beginnen gefühlt nie ganz pünktlich, es gibt viele Verzögerungen bei zum Bsp. Fouls, den folgenden hochprofessionellen Behandlungen und der Vorbereitung der Freistöße und so ziehen sich die Spiele meistens auf gute 2 Stunden.

Am Hotel sammelte ich mein Gepäck ein und per Kleinbus, den mir Arthur vorher zeigte, fuhr ich für ungefähr 1 EUR nach Entebbe. Für über 30 km ist es zwar mega günstig, es zieht sich aber auch ewig. Besonders wenn es dunkel wird und man in der Rush Hour versucht aus Kampala raus zu fahren. Unterwegs wird dann teilweise alle paar Meter angehalten und irgenwer steigt aus oder dazu. Da dauert der Spass dann auch mal gerne 1,5 Stunden.

In Entebbe hatte ich mir gleich neben der Victoria Mall noch kurzfristig eine günstige Unterkunft geschossen. Nach dem Abendessen konnte ich so noch mal ein wenig pennen auch wenn die Nacht sehr kurz war. Viel wichtiger war außerdem, dass ich hier auch noch mal duschen konnte. Zwar kam die Sonne nicht viel raus aber auch in Kampala war es schön warm. So völlig durch wollte ich die Heimreise dann auch nicht antreten.

Die Gastgeber waren dann auch noch so nett und besorgten mir einen Fahrer der mich die paar Kilometer in der Nacht noch zum Flughafen fuhr von wo aus es dann zurück nach Deutschland ging.

Am Flughafen zeigte sich Uganda noch mal von seiner top organisierten Seite. Es ging damit los, dass airside an den Bildschirmen keine Gate angzeigt wurde und auch nicht, dass Boarding war. Solche unnötigen Infos braucht nun wirklich niemand! Nicht so schlimm, der Abflugbereich ist überschaubar.

Bei meinem Gate musste man noch mal durch eine kleine Kontrolle inklusive erneuter Durchleuchtung des Gepäcks. Hinter der Kontrolle konnte man nach rechts oder nach links in einen Warteraum jeweils vor einem Gate. Es wurden alle nach rechts geschickt. Ich war einer der letzten und trank noch in Ruhe mein Wasser aus bevor ich in den Warteraum wollte. Was passiert? Natürlich, der Flieger geht nicht von dem Gate vor dem alle warten, sondern vom Gate nebenan.

Da ich noch in der Mitte zwischen den Gates stand, war ich dadurch in der Pole Position und konnte als Erster das Flugzeug betreten. Ich lege da jetzt keinen besondereren Wert drauf, aber für alle die das tun, dafür vielleicht sogar Geld bezahlen in Form eines First- oder Buisness Class Ticket, Priority Boarding usw. oder sich im Warteraum so positioniert hatten, ist das natürlich der blanke Hohn.

Also machte ich es mir für den Rückflug gemütlich und mit zwei neuen Länderpunkten und vielen Erlebnissen ging es wieder zurück nach Hamburg. Auch das zweite Mal Afrika wird mir als sehr gelungene und erlebnisreiche Reise im Gedächtnis bleiben und ich werde sicher wieder dorthin reisen.

Stadion:

Kitende – St. Mary’s Stadium

Spiel:

18.02.2020 – Vipers SC vs KCCA FC
Uganda Premier League – 0:0 – Z: 8.000

Bilder aus Entebbe / pictures from Entebbe – Uganda: www.sportandtravel.de/2020-02-17-entebbe-uganda

Report:

Weiter ging die Reise mit Air Tanzania nach Entebbe Airport in Uganda. Bei der Anreise gab es für mich eine Premiere, denn zum ersten Mal flog ich mit einem Zwischenstopp bei dem man das Flugzeug nicht verließ, wenn man an dem Stopp nicht raus musste. Dieser war der Kilimanjaro Airport in Tanasania. Hier stiegen dann einige Personen aus und einige zu während alle die nach Uganda wollten einfach sitzen blieben. 

Deswegen gab es am Flughafen in Dar-es-Salaam auch zwei gesonderte Kontrollen der Passgagiere, da der Flug zum Kilimanjaro ein Inlandsflug war und der nach Entebbe ein internationaler Flug.

Auch für Uganda hatte ich bereits das Online Visum für 50 USD und so verlief auch hier die Einreise recht zügig. Dabei bekommt man hier wohl eines der coolsten Visa in den Pass geklebt, da man dort selbst mit seinem Foto vom Einreiseschalter auf dem Visaaufkleber auftaucht.

Über dem eigenen Bild ist außerdem ein Hologramm Bild von einem Gorilla. Böse Menschen würden dank der komischen Perspektive bei mir von schräg unten eine Ähnlichkeit zum Gorilla Bild darüber erkennen. Na gut, gewisse Gemeinsamkeiten sind aber auch wirklich vorhanden ;)

Um den Nachmittag noch ein wenig zu nutzen, wollte ich in Entebbe noch in eine Strandbar am Victoria See. Um dorthin zu kommen bzw. vom Airport wegzukommen ist man auf das Taxi angewiesen, wenn man keinen Mietwagen hat oder sonstigen Transfer organisiert hat. ÖPNV gibt es direkt am Flughafen nicht und zum Bsp. Motoradtaxis dürfen nicht direkt bis zum Flughafen fahren. Man kann natürlich auch 3 km mit Gepäck in der Megahitze vom Flughafengelände runter latschen und dann nach einem Motorrad Ausschau halten, da hatte ich aber wenig Lust drauf.

Die Tante am Infoschalter meinte das Taxi würde 10 USD kosten. Auch die meisten Taxifahrer auf dem Weg nach draußen wollten den Preis oder sogar mehr. Also mal draußen beim offiziellen Taxischalter getestet wie verhandelbar der Preis ist. Chef meinte auch 10 USD, er fragte dann aber wie viel ich bereit wäre zu zahlen. Ich: 5 USD, Er: 7, Ich: 6, Er: Deal! Geht doch!

6 USD, die ich nachher in Uganda Schilling bezahlte und sogar noch etwas günstiger kam, für 10 km geht in Ordnung. Der Fahrer wird trotzdem noch was dran verdient haben.

Am Victoria See verbrachte ich den Nachmittag dann im Two Friends Beach, einem Hotel mit Strandbar. Herrlich gelegen direkt am See. Bilder gibt es wie immer oben im Link. Erst am Abend machte ich mich auf den Weg zum Hotel in Kampala wo es schon die ersten Eindrücke des krassen Verkehrs der Hauptstadt gab.

Während Entebbe mit viel Grün und der Lage am See sehr relaxt und gemütlich wirkte, geht in Kampala schon die Post ab. Was für ein Gerammel auf den Straßen. Unglaublich, hier war alles so verstopft das teilweise nicht mal mehr die Motorräder durch kamen. Da war ich froh im Hotel erst mal ein bisschen Ruhe zu haben und den Abend in der Hotelbar ausklingen zu lassen.

Für den nächsten Tag organisierte ich mir wieder einen Guide um mir die Stadt anzusehen. Dabei hatte ich mit Arthur richtig Glück. Er machte seine Sache wirklich gut. Wir verständigten uns auf englisch bis sich herausstellte, dass er auch ziemlich gut deutsch kann. Er hat es sich selbst beigebracht und ich muss schon sagen, dass er es sehr gut konnte. So verplauderten wir in einem Mix aus deutsch und englisch unserere Walking Tour durch die Innenstadt.

Hier pulsiert das Leben, jeder macht sein Buisness ob groß oder klein, es ist laut, heiß, hektisch und der Verkehr brummte wie bereits erwähnt. Das krasseste was ich bis jetzt auf meinen Reisengesehen habe. Da können Manila, Jakarta und Hanoi einpacken!

Gerade zu bezeichnend für diese Stadt war da der Besuch auf dem wuseligen Nakasero Markt und dem wohl chaotischsten Busbahnhof Afrikas. Dabei gestand Arthur, dass selbst er hier nicht durchblickt.

Nach ein paar Stunden Rundgang stand am Nachmittag das Spitzenspiel und Derby der Uganda Premier League an. Der Erste gegen den Zweiten der Tabelle. Der Vipers SC gegen den Kampala City Capital Authority FC kurz KCCA FC.

Dazu fuhren wir einem Bus ein paar Kilometer raus Richtung Entebbe nach Kitende. In der Nähe des Stadion sprangen wir aus dem Bus und legten noch einen Zwischenstopp ein um Getränke zu kaufen und Uganda typisch zu speisen. Es gab Rolex (“rolled eggs”), ausgesprochen wie die teuren Uhren, in Fladen gewickeltes Rührei mit zum Bsp. Gemüsefüllung. Ein günstiges und schnell gemachtes Gericht, dass es hier vielerorts gibt.

Ich muss gestehen, dass ich mich an das Essen vom Straßenstand nicht rantraute. Sicher lecker aber mögliche Nachwirkungen wollte ich nicht riskieren.

Mit zwei Motorrad Taxis ging es von der Hauptstraße ab, den Berg hoch die restlichen ca. 2 km bis zum Stadion. Eine gute und günstige Investition, da man bei der Hitze nicht wirklich da hoch laufen will.

Hier war dann schon ordentlich Betrieb also umgehend zwei Tickets für 10.000 UGX (ca. 2,50 EUR) durch den Zaun gekauft und rein ins Stadion. Das Ticket wird einem leider direkt wieder abgenommen und landet in einer Tonne. Der Jäger und Sammler muss es später dort wieder herausfischen.

Das St. Mary’s Stadium ist ein reines Fußballstadion mit zwei Tribünen auf den Längsseiten. Sehr kompakt für schätzungsweise 10.000 Zuschauer und heute gut gefüllt mit ungefähr 8.000 Menschen.

Das Stadion steht auf dem Gelände der St. Mary’s Boarding Secondary School. Die Schülerinnen und Schüler haben freien Eintritt und betreten das Stadion direkt vom Schulgelände hinter der Gegentribüne. Auf den Bildern sind sie zu erkennen mit ihren roten und blauen Schuluniformen. Sie trugen sogar zur Stimmung bei und feuerten die Vipers an.

Einmal tickte der Schülermob richtig aus, als sie vor sich im Block einen KCCA Fan entdeckten der es wagte für sein Team zu jubeln. Unter schlimmsten Beleidigungen, Schmährufen und Werfen von Gegenständen musste der Arme gezwungenermaßen seinen Sitzplatz verlassen und sich an den Rand der Tribüne stellen. Währendessen wurde das Weißbrot, also ich, von den Biestern freundlichst abgegrüßt.

Neben dem Kinderpöbel sorgte auf einer Seite der Haupttribüne der Vipers Fanblock für Stimmung. In der Mitte dieser Tribüne saßen die Reichen und Schönen und auf der anderen Seite war der Bereich der Gästefans prall gefüllt. Das ganze Spiel über aber auch weit vor Spielbeginn gab es gute Stimmung von beiden Seiten. Trommeln, Tröten, Singen, Tanzen, mit Bengalos zündeln und Böller werfen. Ganz normales Uganda Classico!

Es wurde also beste Unterhaltung bei diesem Derby geboten. Wie zu erwarten waren auf beiden Seiten diverse bunt bemalte oder verkleidete Fan Ikonen unterwegs. Sieht witzig aus und gehört hier einfach zur Fankultur dazu. Es ist eine Besonderheit auf die man sich geradezu freut und wo man gespannt ist welche schrägen Vögel man dieses mal wohl entdeckt.

Insgesamt eine Topveranstaltung bei der nur der Torjubel durch das torlose Unentschieden fehlte. Auf jeden Fall ein würdiger Länderpunkt Uganda!

Nach dem Spiel machten wir uns mit Motorradtaxi und Kleinbus wieder auf den Weg zurück nach Kampala. An dieser Stelle vielen Dank Arthur für großartigen Tag und viele Grüße nach Uganda!