"Wir machen gut Strecke!"

81.) Usbekistan

Stadion:

Taschkent – Bunyodkor Stadion (Milliy Stadion)

Spiel:

05.07.2021 – Beijing Guoan FC vs Daegu FC
AFC Champions League – Gruppe I – 4.Spieltag – 0:3
Z: offiziell ohne Zuschauer

Report:

Es war wieder Ausschlafen angesagt und erst kurz vor 12:00 stand ich an der Rezeption um auszuchecken. Der Flug zurück in die Heimat sollte erst am nächsten Tag morgens gegen 2:30 Uhr abfliegen. Da lohnte sich eine weitere Übernachtung nicht. Meinen Rucksack hinterlegte ich bei der Rezeption.

Halbwegs motiviert quälte ich mich raus in die Hitze von Taschkent um noch ein bisschen was zu sehen. Das Thermoter war da schon wieder jenseits der 40° Marke. Nach zwei Stunden Sightseeing war ich bereits wieder zurück im Hotel und es ging direkt wieder in den Pool.

Am Abend war zum zweiten Mal AFC Champions League angesagt. Dieses Mal im Bunyodkor Stadion oder Milliy Stadion oder dem Nationalstadion von Usbekistan. Sucht euch was aus.

Das Stadion für 34.000 Zuschauer ist ein Neubau der von außen ganz in weiß daher kommt. Markant sind die weißen Kegel der Zeltdachkonstruktion. Innen verfügt das Stadion über zwei Ränge und immerhin Sitzschalen in den Landesfarben. Auch heute war alles wieder auf Champions League umgestaltet. Was leider auch bedeutete, dass keine Zuschauer zugelassen waren.

An dieser Stelle erneut viele Grüße und vielen Dank an Zhokir! Durch seine Unterstützung verlief wieder alles reibungslos. Mein Badge war fertig und lag zur Abholung am Stadiontor bereit.

Pünktlich zum Einlaufen der Mannschaften war ich auf meinem vorgeschriebenen Plätzchen weit oben auf der Haupttribüne. Ganze zwei Pressevertreter, einer aus dem Sudan, einer aus Australien, waren ebenfalls dort. Ansonsten waren nur noch ein paar Offizielle, Kameraleute, Techniker, Fotografen am Spielfeldrand und die Miliz anwesend.

An einem kleinen Beispiel kann ich zeigen wie ernst man die Sache hier nahm: Ich hatte mir vorrausschauend vom Fast Food Laden beim Hotel ein paar Sandwiches zum Essen ins Stadion mitgenommen. Diese waren in einer Pappbox des Ladens verpackt. Ich hatte diese vor mir auf dem Tisch ausgebreitet und ab und zu davon gegessen.

Irgendwann kam dann ein Offizieller vorbei und zeigte auf die Box. Es war kein Problem Essen und Trinken dabei zu haben. Es ging um das Logo auf der Box. Er knickte den Deckel der geöffneten Box nach vorne runter. Damit, wenn es die Kamera zufällig einfängt, das Logo nicht zu sehen ist. Der Fast Food Laden ist nämlich kein offizieller Werbepartner. Nicht dass der Laden noch gratis Werbung vor Millionen von AFC Champions League TV- und Streaming Zuschauern bekommt! Sehr korrekt die Jungs und Mädels aus Usbekistan!

Ich leistete mir keine weiteren Verfehlungen und konnte mich nun voll und ganz auf das Duell Beijing Guoan FC gegen Daegu FC konzentrieren.

Beijing Guoan ist ein chinesischer Club aus der Hauptstadt Peking der zu einem staatlichen chinesischen Finanz- und Investmentunternehmen gehört. Bei der offiziellen Ansetzung durch die AFC wurde das Guoan elegant weggelassen. Hat vielleicht auch was mit Werberechten zu tun.

Daegu FC kommt aus der gleichnamigen Stadt in Südkorea, die auch Austragungsort der WM 2002 war und ist ein sogenanntes Fußball Franchise.

Das Ergebnis fiel nicht so hoch wie beim ersten CL Spiel der Tour aus, war aber trotzdem ein ganz klare Sache für die Südkoreaner. Wie ich bereits bei meinem China Besuch festgestellt hatte: China ist noch sehr weit entfernt davon eine große Fußballnation zu sein. Da können die sich noch so viel Unterstützung aus dem Ausland einkaufen. Folgerichtig ging das Spiel mit 3:0 an den Daegu FC.

Mit dem Abfpiff des letzten Spiels der Reise ging es zur nächsten U-Bahn Station und zurück zum Hotel. Dort machte ich mich nochmal kurz frisch, schnappte meinen Rucksack und per Yandex ging zum Flughafen. Als vollständig Geimpfter brauchte ich nur den Nachweis vorzeigen und konnte einchecken. Dank des frühen Abflugs und Zeitverschiebung war ich noch am Vormittag wieder in Hamburg.

Usbekistan ist ein top Land, zumindest was ich gehenen habe und das war viel zu wenig. Die Hauptstadt ist eine Reise wert und bietet einen interessanten orientalisch-exsowjetisch-usbekischen Mix. Es war zu jeder Zeit sicher und gastfreundlich sowieso. Außerdem ist es ein sehr günstiges Reiseland. Beim nächsten Mal muss ich unbedingt raus aus Taschkent und mehr von der Seidenstraße, den alten Karawanenstädten und der Landschaft sehen. Fahrt nach Usbekistan, es lohnt sich!

Stadion:

Taschkent – Paxtakor Markaziy Stadion

Spiel:

04.07.2021 – FK Pakhtakor Tashkent vs FK Lokomotiv Tashkent
Uzbekistan Super League – 2:1 – Z: 1.000

Bilder aus Taschkent: http://www.sportandtravel.de/2021-07-04-taschkent-usbekistan/

Report:

Ein weiterer mega heißer Tag in Taschkent. Frühstück gab es gegen Mittag und die restliche Zeit vor dem Spiel wurde am Pool verbracht. Abends fuhr ich dann vom Hotel ganze zwei Stationen mit der U-Bahn zum Stadion.

Kurze Vorgeschichte dazu: Hier hatte ich bereits vorher mal vorbei geschaut in der Hoffnung vielleicht schon mal ein paar Fotos machen zu können. Dabei traf ich ganz zufällig den niederländischen Trainer Pieter Huistra. Dieser verließ gerade das Stadion als ich darauf zulief.

Ich habe ihn angesprochen und er war ganz verwundert was mich nach Usbekistan zum Fußball treibt. Er nahm sich die Zeit und ging extra mit mir zurück ins Stadion und ich konnte ein paar Fotos vom leeren Ground machen und auch in die absolut heiligen Hallen, wo auch die Throphäen stehen, erhielt ich einen Einblick.

Obwohl der Eintritt sowieso frei sein würde, war Pieter so nett und ließ von der rattenscharfen Sekretärin meinen Namen notieren damit ich mir am Spieltag VIP Tickets abholen konnte.

Zum Schluss gab es noch ein gemeinsames Erinnerungsfoto. Dieses schickte ich später noch Luc, der zusammen mit Marco bei ihrer Abreise am Flughafen auf Pieter getroffen sind. Dabei haben sie dann noch mal meinen Dank und Grüße ausgerichtet. Pieter war da wohl etwas erstaunt wie das alles zusammen passt. So klein ist die Welt!

Zurück zum Abend des Spiels. Vor dem Stadion lungerten auch schon Franzi und Peter rum. Diese hatten schon ihre gratis Tickets. Mir drückte am Fanshop auch jemand ein paar in die Hand. Scheinbar ganz normal, dass für die Karten nicht bezahlt werden muss. Diese werden einfach so verteilt. Im Stadion traf ich dann auch Luc und Marco und alle zusammen schauten wir zumindest die zweite Halbzeit des Spiels.

Meine VIP Tickets, Pieter hatte scheinbar zur Sicherheit gleich zwei hinterlegt, konnte ich auch abholen. Dazu wurde ich von Ordner zu Ordner weiter gereicht bis zum Richtigen der mich schon erwartete.

Der usbekische Rekordmeister empfing heute den Fussballclub Lokomotive. Leider waren auch heute nur um die tausend Zuschauer zugegen. Im Gästeblock standen vielleicht 30-40 versprengte Lokomotiv Fans. Das war dürftig. Ich hatte jetzt keinen rammelvollen Auswärtsblock mit 2.000 Gästen erwartet, aber ein zwei hundert die geschlossen in der eigenen Stadt ihr Team unterstützen hätten es schon sein können. Wahrscheinlich zieht hier ein anderer Gegner.

Wie beim AGMK sammelten sich auf der Gegengerade die Heimfans. Auch hier wurde ein bisschen getrommelt und gesungen. Große Bäume wurden aber nicht ausgerissen. Die weningen Lok Fans schwenkten kurz mal ein paar Fahnen blieben sonst aber unauffällig.

Wenigstens das Stadion hält was es verspricht. Eine super gepflegte und renovierte Schüssel, überdacht nur auf der Haupttribüne, eine große Anzeigtafel und fetten Flutlichtern. Auch ein absolutes Knaller Stadion aus den feuchtesten Ostblockschüssel-Träumen.

Übringens habe ich lange dem Irrtum aufgesessen, dass Pakhtakor die Transkription des usbekischen Traktors ist. In Wirklichkeit setzt sich der Vereinsname aus zwei persischen Worten zusammen. Zum einen aus dem Wort “Pakht” für Baumwolle. Zu sehen ist die Baumwollkapsel auch auf dem Vereinswappen. Zum anderen aus dem Verb “kor” das soviel wie kultivieren bedeutet. Zusammengesetzt ergibt das also “Pakhtakor” einen Berufsnamen der wörtlich Baumwollhersteller bedeutet. Wieder was gelernt!

Der Taschkent Derbysieg geht an den Platzhirsch Pakhtakor. Kurze Verabschiedung unter Hoppern und es ging wieder per kurzer U-Bahnfahrt zurück zum Hotel.

Stadion:

Olmaliq – Markaziy Stadion

Spiel:

03.07.2021 – FK AGMK vs FK Kokand 1912
Uzbekistan Super League – 2:1 – Z: 1.000

Report:

Der Tag begann erst gegen Mittag und wurde dann erstmal am Pool verbracht. Wieder locker über 40° also wohl die beste Entscheidung.

Heute war die Tagesaufgabe das Spiel der usbekischen Superliga FK AGMK gegen FK Kokand in Olmaliq ca. 60 km südlich von Taschkent zu erreichen.  Im Hotel wusste keiner der sehr hilfreichen Mitarbeiter ob und wo ein Bus nach Olmaliq fährt. Sie empfohlen mir ein Taxi über die Yandex App. Das wäre auch bezahlbar gewesen und am unkompliziertesten, aber irgendwie hatte ich Lust es auf eigene Faust zu versuchen.

Ich fuhr mit der Metro zum Avtovokzal dem Busbahnhof von Taschkent, weil ich dort meine Chancen am höhsten einschätzte. Vor Ort ging doch tatsächlich kein Bus nach Olmaliq. Den gibt es auch ganz bestimmt, nur fährt der eben nicht hier ab. Meine Vermutung ist eine Mall am süd-östlichen Rand der Stadt. Für weitere Experimente war aber nicht mehr genug Zeit.

Also wieder raus und mal bei den Taxifahrern vorbeigeschaut. Neben dem Busbahnhof standen viele offizielle und inoffizielle Taxis und shared Taxis. Die auch weitere Strecken anboten zum Beispiel ins 300 km entfernte Samarkand.

Muss man sich mal vorstellen! Da gibt es einen hochmodernen klimatisierten Schnellzug der für die Strecke zwei Stunden braucht für ca. 20 US Dollar hin und zurück. Dann muss die Fahrt im shared Taxi die definitv länger dauert und unkonfortabler ist ja noch günstiger sein.

Die Englisch Sprachkenntnisse der Taxifahrer war erwartungsgemäß eher dürftig, aber Alex, ein Fahrgast der zu einer Hochzeitsparty nach Samarkand wollte, konnte helfen. Er wollte mir gerade die Fahrt buchen, da fiel ihm ein, dass sein größerer Bruder Saidbek in Taschkent  wohnt und ich vielleicht mit ihm einen Deal machen kann.

Das Angebot war dann 30 US Dollar für Hinfahrt, zusammen ins Stadion gehen und wieder zurück fahren. Alles klar, das geht für rundum-sorglos-Paket in Ordnung! Dann fiel ihm ein, dass sein jüngerer Bruder in Wien BWL studiert und deutsch kann. Also wurde dieser auch noch angerufen. Wir sprachen ein wenig am Telefon. So wurde die ganze Geschichte dann plausibel und ich war mir sicher ich würde nicht in der usbeksichen Einöde gefahren und dort aufgegessen.

Saidbek konnte kein Wort englisch wurde aber von seinen Brüdern instruiert was zu tun ist. Musst du so nem Usbeken auch erstmal verklickern was der deutsche Heinz in Olmaliq will.

15 Minuten später fuhr er am Busbahnhof vor und im flotten usbekischen Tempo ging es nach Olmaliq und viel zu früh ins Stadion welches ohne Eintritt betreten werden konnte.

Auf dem Stadiongelände gab es leider keinen Verkaufsstand. Etwas zu trinken hätte ich dann schon gerne gehabt, da es auch abends noch mollig warm ist. Als ich mich am Spielfeldrand mit dem Mannschaftsarzt der Gäste unterhielt und er das mitbekam, verschwand er kurz in die Kabinen und bracht mir Wasser und Kekse. Bester Mann! Spiegelt dazu noch die allgemein erfahrene Gastfreundschaft der Usbeken wider.

Im Stadion fielen mir direkt zwei weitere Hopper auf. Luc und Marco aus der Schweiz waren auch in Usbekistan unterwegs und hatten sich für dieses Spiel auch einen Fahrer organisiert. Nur ihrer wollte sich das Spiel nicht anschauen.

Wir verbrachten das Spiel gemeinsam und auch sie wollten am nächsten Tag das Taschkent Derby besuchen.

Das Stadion füllte sich das Spiel über recht bescheiden. Vielleicht 1.000 Olmaliqer rafften sich auf. Die aktiven Fans von AGMK fanden sich mit ihren Trommeln auf der Gegengeraden ein. Eine ganze Busladung Gäste aus dem nicht mal 200 km entfernten Kokand war auch anwesend. Für usbekische Verhältnisse eine der kürzeren Anreisen. Stimmungstechnisch beschränkte man sich auf beiden Seiten auf einfache Schlachtrufe, bisschen Getrommel, gelegentliches Gepöbel und Torjubel.

Dafür bekommt man ein Stadion zu sehen was man in diesen Breiten erwartet. Ein weitläufiger Ostblockground mit einem schönen Eingangstor und massiven Flutlichlichtern die ungewöhnlich außerhalb des eigentlichen Stadions stehen und von außen hineinragen.

Somit wurde der Länderpunkt Usbekistan nach allen Anforderungen der Groundhoppingverordnung von 19hundert Blumenkohl eingefahren und durch die usbekische Nacht ging es mit Klassikern von Modern Talking zurück nach Taschkent wo ich wie ausgemacht direkt vor meinem Hotel abgesetzt wurde.

Vielen Dank und viele Grüße an meinen Fahrer Saidbek! Ko’p rahmat! 

Stadion:

Taschkent – Stadion Lokomotiv

Spiel:

02.07.2021 – Kawasaki Frontale vs United City FC
AFC Champions League – Gruppe I – 3. Spieltag – 8:0
Z: offiziell ohne Zuschauer

Impressionen aus der Metro Taschkent:

http://www.sportandtravel.de/2021-07-02-taschkent-metro

Report:

Fußballfans weltweit schauen diesen Sommer gebannt auf dieses eine Fußballturnier bei dem die beste Mannschaft des ganzen Kontinents ermittelt werden soll. Richtig! In der AFC Champions League wird die beste Club Mannschaft Asiens gesucht!

Fangen wir von vorne an. Ein neuer Länderpunkt musste her und zwar quick and dirty, wie wir Programmierer sagen. Da kam Usbekistan in den Fokus. Hatte ich letztes Jahr schon vor der Flinte, geladen und entsichert, aber ihr wisst ja was dazwischen kam.

Dieses Mal sollte es ein verlängertes Wochenende werden. Das Nachbarland Tadschikistan, dass man eigentlich gut verbinden kann, war leider noch geschlossen. Jedenfalls nach offiziellen Angaben im Internet. Theorie und Praxis gehen da sicher auseinander, aber ausprobieren und an der Grenze abgewiesen werden, wollte ich auch nicht.

Also wurden es ein paar Tage in der Hauptstadt Taschkent. Hin und zurück ging es mit Turkish Airlines über Istanbul. Am Flughafen Hamburg wirkt bei Personal und Fluggästen alles mittlerweile eingespielt. Dieses Mal gibt es keine besonderen menschlichen Entgleisungen zu berichten.

Abflug am Mittwoch Abend, Ankunft am Donnerstag Morgen in Taschkent. Einreise war problemlos mit negativen PCR Test möglich. Dieser wurde bei Abflug in Hamburg und im Flughafen Taschkent an einem Schalter geprüft und gestempelt und dann durfte man weiter zum Zollschalter. Visum gibt es auch ohne Gebühren on arrival. Nur die ganze Abwicklung wirkte insgesamt etwas chaotisch.

Im Flugzeug wurden auch noch zwei Zettel gereicht, die man ausfüllen sollte, nur hat die bei Einreise keiner sehen wollen, geschweige denn eingesammelt. Irgendwas mit theoretischer Quarantäne. Dann eben nicht. Mir solls recht sein. Was der Usbeke nicht weiß, macht ihn nicht heiß.

Im Ankunftsbereich habe ich mir noch schnell usbekische SOM gezogen, eine usbekische SIM Karte gekauft und schon ging es raus aus dem Flughafen. Das Thermometer bewegte sich bereits auf die 40° zu. Für die paar Kilometer bis zum Hotel nahm ich den spottbilligen Bus, was auch gut funktionierte. Google Maps gibt tatsächlich die richtigen Buslinien und Fahrwege an. Das vereinfacht wirklich die ganze Fortbewegung in der Stadt.

Die Temperatur war nun bereits bei 42° und keine Wolke am Himmel. Die ersten Amtshandlungen im Hotel waren einchecken, Sachen ablegen, Badehose an und ab ins Wasser. Vorrausschauend hatte ich mir ein Hotel mit Pool geschossen, da es die ganzen Tage über immer gute 40° werden sollten. Der usbekische Sommer ist lang und heiß. Immer viel trinken und ein bisschen auf sich selbst achten, denn das kann durchaus gefährlich werden.

Abends sollte es bereits Fußball geben. Mein eigentlicher Plan waren Spiele in der usbekischen Liga am Samstag und Sonntag, allen voran das legendäre Taschkent Derby. Der Plan konnte im Zuge meiner Vorbereitungen erweitert werden. Hierbei stieß ich nämlich zufällig auf die Gruppenspiele der AFC Champions League.

Diese sollten an neutralen Orten in einer sogenannten  Corona Blase ausgetragen werden. Das heißt die jeweils vier Teams in einer Gruppe tragen alle Hin-und Rückspiele an einem Ort, innerhalb eines kurzen Zeitraums aus. Damit die Teams eben nicht quer durch Asien reisen müssen sondern im Prinzip nur einmal eine An-und Abreise haben und währendessen unter sich sind.

Das bedeutet auch, dass die Spiele im Gegensatz zur usbekischen Liga ohne Zuschauer stattfinden. Hier macht nämlich die AFC die Regeln. Das ist selbstverständlich nicht das Wahre, aber wenn man die Spiele mitnehmen kann, versucht man es natürlich.

Die Spiele der Gruppen H und I sollten alle in Taschkent im Lokomotiv Stadion und im Bundyodkor Stadion über die Bühne gehen. In den beiden Gruppen waren keine usbekischen Teams vertreten.

Diese spielen dennoch mit dem FK AGMK aus Olmaliq und dem FK Pakhtakor aus Taschkent in der Champions League mit. AGMK spielt in der Gruppe A im saudi-arabischen Riyad und Pakhtakor aus der usbekischen Hauptstadt in der Gruppe B in Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

In der Gruppe A in Riyad war kein Team aus Saudi Arabien dabei. In der Gruppe B in Sharjah zumindest der Sharjah FC. 

Es hätte aus Corona Sicht Sinn gemacht, dass zumindest eine Clubmannschaft aus dem Gastgeberland in der jeweiligen Gruppe spielt oder nicht? Also so, dass bei vier Teams pro Gruppe maximal drei durch Asien reisen müssten.

Warum außerdem die Teams der Gruppen H und I aus Japan, Südkorea, China, Thailand, Singapur und den Philippinen, also Ostasien, ins entfernte Taschkent, also Westasien, müssen ist irgendwie auch nicht zu verstehen. Besonders wenn man ein strenger Verfechter der Corona Maßnahmen ist. 

Alles nicht mehr nachvollziehbar! Aber genug der grauen Theorie. 

Am Abend fuhr ich mit dem günstigen Taxi raus zum Lokomotiv Stadion. Ich hatte eine Anfrage geschickt, diese ist dort scheinbar nicht beim Richtigen angekommen. Rein kommen ins Stadion also keine Chance. Zum Glück traf ich auf Zhokir, einen wichtigen Mitarbeiter, der sogar deutsch konnte. Er wollte mir helfen. Nur das heutige Spiel, Jeonbuk Motors aus Südkorea gegen die Tampines Rovers aus Singapur, war leider nicht möglich. Schade, aber morgen ist ja bereits das nächste Spiel im Lokomotiv Stadion.

Also ging es wieder zurück zum Hotel. Am nächsten Tag war Sightseeing angesagt. Wir fangen mal mit den teilweise wirklich sehenswerten Metrostationen von Taschkent an. Weitere Bilder folgen. Zu finden sind sie wie immer oben im Link.

Allzu lange dauerten die auf mehrere Tage aufgeteilten Stadtbesichtigungen aber nicht, da es einfach viel zu heiß war. Jeder Schritt tat weh. Der Planet drückte wie die Sucht und die Hitze staute sich in der Stadt. Jedes Lüftchen war als würde einem warme Fönluft ins Gesicht geblasen. Also wurde die meiste Zeit am Pool verbracht.

Am Abend fuhr ich erneut zum Lokomotiv Stadion. Dort wurde ich von Zhokir empfangen und ins Stadion geleitet. Mein Badge war leider noch nicht fertig, aber Hauptsache drin. Es herrschte Maskenpflicht und ich musste schön auf meinem Sitzplatz bleiben. Als ich in der Halbzeitpause mal kurz Richtung Toilette bin wurde ich auch dirket angequatscht, da ich eben nichts vorzeigen konnte. Also wurde wieder Zhokir ranzitiert und die Sache geklärt. Die AFC Regeln wurden streng durchgesetzt.

Außerdem wurde von der AFC richtig aufgefahren. Jedes Team bekam zwei Mannschaftsbusse die mit Vereinswappen und AFC Logo versehen waren. Die beiden Stadien in Taschkent waren im Corporate Design der AFC gehalten. An den Werbebanden waren nur die Firmen und Unternehmen angebracht, die mit der AFC einen Werbevertrag hatten. Ähnlich wie beim DFB Pokal oder der Weltmeisterschaft wo aus der Versicherungsarena das Stadion München wird. 

Die heutige Begegnung lautete Kawasaki Frontale aus dem Großraum Tokyo in Japan gegen den United City FC aus Bacolod von den Philippinen. Der Club lief bis Juli 2020 unter dem Namen Ceres-Negros Football Club. Das Motto der diesjährigen Champions League “bigger than ever” wurde von den Japanern verinnerlicht und im Endresultag umgesetzt. Kawasaki verpasste den Filipinos nämlich eine stattliche 8:0 Packung!

Ganz stark war, dass es sogar eine Zaunfahne von Kawasaki Frontale den weiten Weg von Japan bis nach Usbekistan geschafft hatte!

Während des Spiels fiel auf, dass auf Seiten von United City deutsche Kommandos gegeben wurden. Das liegt daran, dass hier mehrere Spieler einen deutschen Elternteil haben. Zum Beispiel Stephan Schröck der aggressiv und motiviert um jeden Ball kämpfte. Witzig auch wie sich der Stadionsprecher bei der Aussprache seines Namens einen abgebrochen hat.

Über Instagram stand ich in Kontakt mit Franzi, die mit zusammen mit Peter schon ein paar Tage in Usbekistan unterwegs war und auch bei diesem Spiel. Die beiden saßen auf der anderen Seite der Tribüne. Nur ein paar Meter entfernt aber ich konnte ja nicht einfach so hinlaufen. Beide traf ich dann nach dem Spiel und sie waren so nett und haben mich mit ihrem Mietwagen wieder mit zurück in die Stadt genommen. Vielen Dank dafür!

Der Länderpunkt war eingefahren. Für den ein oder anderen sicher nicht ganz blitzsauber. Wäre es nur dieses eine Spiel gewesen, hätte ich auch Bauchschmerzen damit gehabt. Geisterspiel und keine usbekische Mannschaft dabei, aber es sollten ja noch mehr Spiele folgen.