Stadion:
Belgrad – Belgrade Arena
Spiel:
12.12.2025 – KK Partizan Beograd vs KK Crvena Zvezda Beograd
Serbien, Turkish Airlines EuroLeague – 79:76 – Z: 21.854
Video zum Spektakel:
https://www.youtube.com/watch?v=ired3gAoj3U
Report:
Das Belgrad Derby im Fußball ist ja bekanntermaßen ein Knaller und dazu wurde die serbische Hauptstadt dieses Jahr bereits besucht. Auch vom Basketball Derby hört und sieht man nur Gutes. Also war klar hier muss auch mal vorbeigeschaut werden.
Der nächste logische Gedankengang der dann folgt ist, dass auf der Reise nach Serbien auch noch Griechenland besucht werden soll. Ganz normaler Gang. Also schoss ich mir einen Gabelflug von Hamburg nach Belgrad und von Thessaloniki nach Hamburg. Dazwischen noch den Oneway Belgrad nach Thessaloniki Direktflug am Sonntag Mittag. Noch jeweils Übernachtungen dazu und fertig war die letzte Tour des Jahres.
Am Donnerstag ging es los und bereits Mittags war ich in der serbischen Hauptstadt. Ich hatte zwar ein Ticket gesichert, schaute aber trotzdem mal bei der Geschäftsstelle der Basketballabteilung von Partizan am gleichnamigen Stadion vorbei. Hier wurde dann mein Ticket netterweise noch etwas upgegradet ;)
Nächster Programmpunkt war Haare schneiden. Nur ist das am Donnerstag Nachmittag in Belgrad scheinbar nicht so einfach. Ich war bei sieben ! Friseurläden, davon war einer geschlossen und die anderen sechs hatten alle keinen Termin mehr am heutigen Tag für mich. Für einen popligen 10 Minuten Trocken-Kurzhaarschnitt. Zumindest einen Termin für den Freitag Nachmittag konnte ich reservieren.
Diesen nahm ich auch am nächsten Tag wahr. Ausschlafen, Frühstücksbuffet genießen, Friseurtermin und zurück zum Hotel. Dort noch etwas abhängen bis ich dann abends mit dem Bus nach Novi Beograd rüber fuhr zur Belgrade Arena.
Viele Fans waren schon unterwegs und ich lief ein bisschen um die Arena. Hier und da hörte man auch deutsche Stimmen, denn einige Serben die in Deutschland leben oder Deutsche die das große Basketballspiel interessierte waren unterwegs. Zwei Jungs wurden interviewt für einen Partizan Social Media Kanal. Später kam ich noch mit einer Reisegruppe ins Gespräch.
Irgendwann hörte und sah man von weitem Böller und Raketen. Die reichlich anwesende Miliz, scheinbar verschiedenster Abordnungen, setzte die Helme auf, zog den Gürtel noch mal fest und griff nach dem Schutzschild. Außerdem wurden die Pferde gesattelt und die großen Kanister Rucksäcke mit Reizgas aufgesetzt. Somit war die Kampfbereitschaft hergestellt und der genehmigte tausend Mann Gästemob von Roter Stern konnte in Empfang genommen werden.
An der Arena angekommen wurde noch mal richtig Pyro und Feuerwerk rausgeblasen um allen zu zeigen, dass man nun anwesend ist. Danach wurde vor einem Seiteneingang ein Polizeikessel um die Gäste gezogen und diese nach und nach in einen abgeriegelten Oberrang verfrachtet.
Bei Partizan war die Stimmung vorab etwas angeschlagen. Es gab ein bisschen zu viele Niederlagen in der Euro League und das mit einem sehr gut besetztem Team. Viel zu schlecht steht Partizan in der Tabelle. Die Mannschaft spielte wohl auch nicht so wie vom Trainer gewollt und war zerstritten.
Der langjährige Trainer und Vereinslegende Zeljko Obradovic räumte kurz vor dem Derby den Posten als Cheftrainer. Das passiert wohl nicht ganz freiwillig und wurde in Serbien zu einem Politikum, da es wohl Differenzen mit der Vereinsführung gab und diese wiederum beste Kontakte in die Politik bis hin zum Präsidenten des Landes hat. Der Präsident ist außerdem bekennender Roter Stern Fan.
Wenn es dann in Serbien auch noch Unzufriedenheit, insbesondere der jungen Bevölkerung gibt und Studentenproteste gegen die Regierung mit der Forderung nach Neuwahlen und diese wiederum von Obradovic unterstützt werden, dann nimmt sein Rückzug vom Traineramt große politische Dimensionen an und gerade in Serbien ist man da wesentlich emotionaler als in Deutschland.
Obradovic war erfolgreicher Spieler und Trainer und holte mit Partizan den einzigen Europapokal Titel der Vereinsgeschichte. Hier war er selbst acht Jahre Spieler bevor er ins Traineramt wechselte. Außerdem trainierte er auch namhafte Clubs wie Real Madrid, Panathinaikos Athen und Fenerbahçe Istanbul bevor er erneut zu Partizan zurückkehrte. Er ist Rekordhalter mit neun Euroleague-Trophäen.
Nun ging es in unruhigen Zeiten ins Derby. Als kleiner Lichtblick gewann Partizan das Spiel davor gegen den FC Bayern und Roter Stern hingegen, die weit vor Partizan in der Tabelle stehen, verlor gegen Barcelona.
Beim Spiel von Partizan gegen Bayern wurde von den Fans sogar gedroht einen Spielabbruch zu provozieren. Am Ende wurde Obradovic abgefeiert, minutenlang sein Name skandiert und teilweise eigene Spieler ausgepfiffen. Die Fans zeigten Bilder von ihm hoch oder trugen T-Shirts mit seinem Namen. Es wurde zu einem emotionalem Abschied der Partizan Trainer Legende.
Vor dem großen Spiel gegen Roter Stern waren die Fans also ziemlich hin- und hergerissen zwischen Unzufriedenheit und Enttäuschung über das Ausscheiden von Obradovic und dem üblichen hohen Anspruch gegen den Erzrivalen im Derby zu glänzen.
Es überwog dann doch die Euphorie des Večiti derbi und die Abneigung gegen Roter Stern bei den Partizan Fans. Die Nachfrage nach Derby Tickets war hoch und es sollte mit aller Kraft supportet werden.
Das durfte ich dann live in der ausverkauften Arena erleben. Absoluter Wahnsinn was da an Lautstäre durch die Halle schepperte. Allein das Singen der Partizan Hymne ist mehr als beeindruckend!
Außerdem sind die Partizan Anhänger mega laut bei der Unterstützung der Mannschaft und mega laut um Roter Stern nieder zu brüllen. Je nachdem wer in Ballbesitz ist. In der Halle scheppern die Gesänge so richtig. Kompletter Wahnsinn!
Die Roter Stern Fans konnten bei der Übermacht kaum etwas dagegen halten insbesondere, da meistens die ganze Halle mitmachte. Wenn dann gelang es nur durch ihre starke Geschlossenheit bei den ganz kurzen und wenigen ruhigen Momenten der Partizan Fans.
Diese waren einfach brachial laut. Außerdem zündeten sie auch einige Bengalos, wohlgemerkt in der Halle! Dazu wurde gepflegt durchgedreht, die Arme gingen geschlossen nach oben und der Mob hüpfte und tobte durcheinander. Unglaubliche Szenen bei einem Basketballspiel!
Einige Ballgewinne und gemachte Punkte von Partizan wurden lauter und energischer bejubelt als so manches Tor bei Fußballspielen in unseren Breiten. Muss man unbedingt live gesehen haben oder zumindest auf Video. Zufälligerweise gibt es dazu oben einen Link!
Das Spiel verlief so ziemlich die ganze Zeit nachteilig für Partizan. Fast das ganze Spiel über lagen sie zurück. Nur kurz vor Schluss kämpft sich Partizan ran und übernimmt die Führung mit drei Punkten.
Die Sekunden vor dem Ende des Spiels zählten runter und der letzte Angriff durch Roter Stern lief an. Die ganze Halle steht! Roter Stern wird gnadenlos ausgepfiffen. Es herrscht eine Mischung aus Euphorie und Ungläubigkeit.
Nur noch ein Drei-Punkte-Wurf von Roter Stern kann den Spielstand ausgleichen. Sie kommen auch in die Position, aber der Ball geht daneben und der Rebound, ebenfalls durch Roter Stern, landet in in den Händen von Partizan, die den Ball auf den Schluss-Buzzer nur noch unkontrolliert nach vorne schmeißen.
Damit ist es tatsächlich vollbracht! Ein hart erkämpfter Derby Sieg. Die Halle eskaliert ein letztes Mal, einige Fans stürmen das Spielfeld und die Sicherheitskräfte können diese mit Mühe stoppen und zurück drängen.
Die Mannschaft und Team-Angehörigen von Roter Stern schleichen möglichst schnell in die Kabinen während sich das Team von Partizan ausgiebig feiern lässt. Selbstverständlich gehen hierbei nochmal Fackeln an. Wahrscheinlich jetzt schon eines der legendärsten Belgrad Basketball Derby Spiele ever!































