"Wir machen gut Strecke!"

08.) Bosnien und Herzegowina

Stadion:

Sarajevo – Stadion Grbavica

Spiel:

22.02.2025 – FK Željeznicar Sarajevo vs FK Sarajevo
Bosnien-Herzegowina, Premijer liga Bosne i Hercegovine – 0:0 – Z: 10.000

Report:

Der zweite Versuch das Sarajevo Derby zu besuchen. Der erste Versuch scheiterte wegen einer Terminverlegung und endete mit der mehr als würdigen Alternative, nämlich dem Belgrad Derby und als Extra obendrauf das Mostar Derby.

Kurioserweise sollte auch an diesem Sarajevo Wochenende das Belgrader Derby stattfinden. Bei der Flugbuchung stand für beide Spiele nur das Wochenende fest und die Hoffnung war, dass die Spiele an verschiedenen Tagen ausgetragen werden. Leider waren beide Spiele am Samstag Nachmittag. Man kann nicht alles haben.

Also blieb es bei einem Sarajevo Wochenende mit nur einem Spiel. Alle anderen Spiele hatten mich nicht sonderlich interessiert und es war auch nur die erste Liga die spielte. Unterklassig war nichts zu holen. Auch mal eben in Nachbarländer zu fahren schien mir wenig attraktiv, da Sarajevo ziemlich mittig liegt, es ein ewiges Gegurke über Landstraßen ins Nachbarland wäre und im Zweifel muss man noch ein ganzes Stück weiter bis man an einem Spielort ist.

Dafür wurde Sarajevo intensiver beleuchtet. Zum Bsp. fuhr ich mit der Seilbahn auf den Trebević. Dort befindet sich die alte Bobbahn der Olympischen Winterspiele von 1984. Es lag Schnee und lief direkt auf der alten Bobbahn entlang, die völlig runtergekommen ist und mit vielen Graffitis besprüht ist. Ein sehr interessanter Lost Place.

Ansonsten ging es durch die Altstadt oder hoch zur Gelben und zur Weißen Festung am östlichen Stadtrand und auf den Avaz Twist Tower am menschenleeren Hauptbahnhof. Der Turm ist das höchste Gebäude auf dem Balkan mit Skycafe und einer Aussichtsplattform im 36ten Stock und tollem Blick über die Stadt und die nahen Berge.

Außerdem kann man auch wunderbar auf das riesige Gelände der amerikanischen Botschaft schauen. Die ist durch eine gefühlt 3 Meter hohe Mauer gesichert und ist blickdicht, aber vom Avaz Twist Tower nebenan kann man die Stadt ganz wunderbar überblicken und auch auf das Botschaftsgelände schauen.

Dort an der Mauer stehen Schilder mit Fotografierverboten für die Botschaft eines Landes in dem durch die Verfassung die Pressefreiheit garantiert ist und es das Gesetz gibt, dass alles, was man von öffentlich zugänglichen Orten sehen kann, gefilmt und fotografiert werden kann. Das wäre zum Beispiel ein öffentlicher Fußweg, wie der der an der Botschaft vorbei geht.

Kann man sich kaum Ausdenken so einen Blödsinn! Unten an der Mauer sehe ich eh nichts wegen der Mauer, aber vom Turm kann ich unbehelligt beim Botschafter fast ins Fenster zoomen. Merkste wat?!

Ich finde diese ganzen streng ausgelegten Fotografier und Filmverbote sowieso Schwachsinn und in den USA ist man da bereits auch soweit (siehe Gesetz oben). Dort kann man den lieben langen Tag Regierungsgebäude, Millitärbasen, Polizeistationen, Banken, Gefängnisse, Botschaften, Konsulate und jegliche sensible Infrastruktur filmen und fotografieren, solange man sich auf einem öffentlich zugänglichen Gelände befindet! Auf dem Bürgersteig zum Beispiel (heißt vielleicht auch deshalb so). Es sorgt manchmal für etwas Unverständnis (nett ausgedrückt) ist aber komplett erlaubt. Einfach mal First Amendment Videos bei youtube anschauen!

Im Jahre 2025 wo jeder Jugendliche drei Handys hat, ganze Touri-Busladungen Chinesen und Japaner mit besserem Fotoequipment als die NASA ausgestattet sind und jedermann sich versteckte Kameras für den Eigenbedarf zulegen kann, es also nicht mal bemerkt würde und es außerdem Google Streetview gibt, machen solche Verbote im öffentlichen Raum null Sinn! Insbesondere da man auch live streamen kann, das heißt selbst wenn ich “erwischt” werde, ist das Material für im Internet also unwiederbringlich in der Welt.

Wenn man da mit nem 100 Mann Flashmob auftaucht und alle live ins Internet streamen, werden dann alle eingekesselt und verhaftet? Ich glaube kaum!

Übrigens sind zum Bsp. Tesla Fahrzeuge weitestgehend mit Kameras ausgestattet. Werden die aus dem Verkehr gezogen, wenn die an einem sensiblen Objekt vorbei fahren? Wohl eher nicht.

Überspitzt ausgedrückt: Wer bei einer Militärbasis die Atomwaffen Abschusscodes sichtbar auf dem Fensterbrett liegen hat, macht grundsätzlich was falsch!

Gibt aber noch genügend, in dieser Hinsicht, rückständige Länder die nach wie vor so eine strikte Politik fahren. Mit denen ist nicht zu spaßen, da landet man auch mal schnell im Knast. Weil die halt in der Vergangenheit leben. Meist solche (Ex-)Militär Diktaturen oder ehemalige Schurkenstaaten. Da darf man dann halt nicht den Präsidentenpalast fotografieren obwohl das, wie meist überall auf der Welt, ein repräsentatives und architektonisch interessantes Gebäude ist. Manche mehr, manche weniger schön. Oftmals bewacht von Soldaten in schicken Uniformen oder sonstigem eher repräsentativen Militärgerät davor.

Beispiele wo es problemlos geht, gibt es viele, wie das Kanzleramt oder der Buckingham Palace. Alles absolute Touri Magnete. Ist doch ganz klar das Touristen davon vielleicht mal ein Foto machen wollen, aber weil anderswo viele nach wie vor unter Verfolgungswahn leiden, darf man es nicht.

Übrigens kann jeder ungestraft Bilder vom Sitz der wahrscheinlich mächtigsten Person der Welt und seinem weltbekannten Gebäude machen. Aus etwas Entfernung zwar, aber es ist erlaubt und sogar sehr häufig und beliebt.

Die Rede ist vom weißen Haus, dem Sitz des amtierenden Präsidenten der USA! Da ist es absolut kein Problem, da kannst du sogar mit Streetview durch den Garten und das Gebäude latschen. (die nächsten Sätze laut schreiend lesen!) Aber bei Eurer vom Himmel hinabgestiegenen durchlauchten Unfehlbarkeit Präsident Mbuuto von Absurdistan wird dir direkt die Hand, mit der du am Auslöser warst, abgehackt! Deswegen sind die auch nicht inner EU, weil die am Leben vorbei laufen. Diese Spinnerbande!

Einfach mal sacken lassen!

Soviel Hass, äääh Zeit muss sein. Weiter mit Sport…

Rechtzeitig vom Hotel lief ich zur Bushaltestelle und wartete dort erstmal eine halbe Stunde vergeblich auf den Bus. Ich machte mir am Anfang auch keine Gedanken, da weitere Personen auch warteten. Dann dämmert mir es, dass wohl wegen dem Spiel der Bus irgendwie anders fährt.

Auch wieder ganz großes Kino der Verantwortlichen. Der Bus fuhr nämlich gar nicht! Die Linie führt direkt an der Hauptstraße am Stadion vorbei und dort wurde für den Verkehr komplett gesperrt. Eine Alternative oder Umleitung wurde nicht angeboten. Da kommt dann halt den ganzen Samstag Nachmittig bis Abend kein Bus. Wird insbesondere jeden gefreut haben der nichts mit dem Derby zu tun hat und irgendwie in Sarajevo unterwegs war. Einfach nur unfassbar schlecht.

Also ein paar Meter gelaufen und dann für ein paar Zloty ins Taxi gesprungen und bis zur Sperrung in Stadion Nähe fahren lassen. Dort noch durch die Hinterhöfe der Wohnhäuser gelatscht da von der Richtung, aus der ich kam, gerade der FK Sarajevo Mob zum Stadion eskortiert wurde und ich mein Ticket im Heimbereich hatte.

Dort angekommen ging es dank Zeitverlust direkt rein ins Stadion. Hier wurde mir auch das wunderbare Einlasskonzept klar. Am Anfang war die Gegengerade leer und ich war mir nicht sicher ob das aus Sicherheitsgründen so ist. Wäre jedenfalls eine echte Verschwendung von Zuschauer Kapazität gewesen.

Scheinbar ist es aber so, dass Gästefans und Besucher der Gegengeraden denselben Eingang haben. Daher werden erst alle Gästefans in ihren Sektor gebracht und wahrscheinlich irgendwelche Tore verriegelt und dann dürfen die Leute der Gegengerade rein. Verrückt. Plötzlich öffneten sich alle Schleusen und die Menschen strömten auf die Gegengerade.

Das ist wahrscheinlich nur beim Derby so strikt, aber das kann man sicher besser lösen. Das gleiche Spiel übrigens nach Spielende. Da ist es sogar ganz clever und noch umfangreicher. Da wird erst der Gästeblock geräumt und dann können alle anderen erst das Stadion verlassen.

Man muss halt ein bisschen nervig warten, aber aus Sicht der Sicherheit ist das nicht schlecht, da die Gästefans bereits von dannen sind und nun, zumindest im direkten Stadionumfeld, nichts mehr passieren kann. Für den Einlass sollte man sich aber definitiv was besseres einfallen lassen.

Zum Spiel selbst brauch ich nicht viel sagen. Ein herrliches bosnisches Derby Null zu Null. Ein zwei hundertprozentige wurden nicht reingemacht und so war nix mit wildem Torjubel.

Dafür gab es auf den Rängen was zu sehen. Choreos auf beiden Seiten, ein Wurfrollenaktion bei Željeznicar und Pyroshows von beiden. Das war schon ziemlich gut. Insbesondere mit den noch rumhängenden Wurfrollen sahen die Bengalos auf Heimseite nach totalem Pyrochaos aus.

Der Support hätte etwas durchgängiger sein können. Da gab es schon ein paar ruhige Phasen mit nur einem gewissen Grundrauschen. Wenn aber eingestimmt wurde, dann wurde es richtig laut. Dazu muss man auch sagen, dass der aktive Heimbereich eine recht lange und unüberdachte Kurve ist. Also schon nicht schlecht was da an Lautstärke abgeliefert wurde. Insgesamt also ein sehenswertes Derby, dass noch Tore für die absolute Ekstase hätte vertragen können. Insgesamt aber ein top Veranstaltung.

Nach dem Spiel lief ich dieses Mal ein paar Meter weiter zur Straßenbahn, die definitiv fuhr und so kam deutlich besser zurück in die Innenstadt. Am nächsten Tag gab es noch spontan Basketball und dann ging es auch schon wieder zurück nach Hamburg.

Stadion:

Banja Luka – Gradski Stadion

Spiel:

03.10.2024 – FK Borac Banja Luka vs Panathinaikos FC
Conference League – League Stage – Matchday 1 – 1:1 – Z: 4.208

Report:

Halbwegs getrocknet vom Vorabend ging es, in immer noch nassen Schuhen, mit dem Bus zum Flughafen Zagreb. Dort holten wir unseren Mietwagen für die nächsten Tage ab. Wir fuhren ins kaum 200 km entfernte Banja Luka in Bosnien. Da auf dem schnellsten Weg ein größerer Stau am Grenzübergang angezeigt wurde, nahmen wir die zweitbeste Strecke, die ähnlich lang war, ein paar Autobahnkilometer weniger hatte, aber wir hier gut durch- und insbesondere über die Grenze kamen.

Mittags in der Stadt hatte ich uns einen Palast inklusive Tiefgaragenstellplatz direkt am Stadion gebucht. In einem Bürohochhaus hat der Ableger eines großen Hotels in den beiden oberen Etagen mehrere Zimmer, ein Restaurant, Bar und weitere Räumlichkeiten für Veranstaltungen.

Vom Restaurant aus hatte man einen guten Ausblick über die Stadt und auch auf das Stadion. Dort schlugen wir als nächstes auf um die Tickets für den Conference League Knaller FK Borac Banja Luka gegen Panathinaikos FC am Abend zu besorgen.

Fernsehteams, Sicherheitskräfte und Offizielle wuselten schon fleißig am Stadion rum. Bei letzteren fragten wir mal nach wie es mit Tickets aussieht. Hier wurde tatsächlich was von ausverkauft, keine Tickets mehr und 400 Griechen erzählt. Kurzer Überraschungsmoment, einmal schütteln und logisch denken: das glaubt ihr doch wohl selbst nicht! Wir sind hier immer noch in Bosnien Freunde! Im Fanshop wedelten die Angestellten schon mit Kartenbündeln und da gab es dann ohne Probleme Tickets für alle Bereiche.

Für 50 Konvertible Mark, also ungefähr 25 Euro gönnten wir uns Tickets auf der überdachten Haupttribüne. Die richtige Entscheidung, denn du Schuhe waren immer noch nicht trocken und so ein Regenchaos wie am Vortag in Zagreb konnten wir echt nicht mehr gebrauchen.

Nach dem kleinen Schock und mit Eintrittskarten in der Tasche, war einer der Offiziellen sogar so nett und ließ uns ins Stadion und wir konnten eine kleine Fotorunde machen. Vielen Dank und viele Grüße nach Banja Luka! Bei jedem deutschen Drittligisten hätte man sich da in Höschen gemacht. Beim FK Borac wird Gastfreundschaft noch groß geschrieben!

Soviel Aufregung macht Hunger, also ging es in flinken Schrittes den kurzen Weg in die Innenstadt wo nach etwas suchen ein top Schmierschuppen aufgetrieben wurde in dem bosnische Köstlichkeiten, vorrangig in gebratener Fleischform, zum fairen Preis gereicht wurden. Genau unser Laden! Hierbei half uns außerdem ein Einheimischer bei der Menüauswahl. In Bosnien ist die Welt eben noch in Ordnung.

Wieder sollte es erst 21:00 losgehen und mit ca. 3 Minuten Anreisezeit (inklusive Fahrstuhlfahrt vom 14. Stock) vom Hotelzimmer bis zum Stadioneingang, blieb noch viel Zeit um auf dem Zimmer abzuhängen. Außerdem konnte Florian bei den regelmäßigen Rauch-Unterbrechungen vom Restaurant aus (wo man selbstverständlich drinnen rauchen durften) eine Blick auf das Stadion und das Umfeld werfen und so die Lage am Einlass einschätzen.

Ungefähr eine Stunde vor Spielbeginn bequemten wir uns mal runter zum Stadion. Angeblich sollte es lange Einlassschlangen geben, da es nur einen Zugang zur Haupttribüne gibt und die Kontrollen nicht ganz hinterherkommen sollten.

Wie schon bei den vorherigen anderen Aussagen zum Spiel , sollte sich auch das nicht bewahrheiten. Es hat keine 5 Minuten gedauert und wir hatten die Tickets abgescannt, wurden kontrolliert und waren drin. Keine Ahnung womit man in Banja Luka an diesem Abend gerechnet hat. Etwas über 4.000 Zuschauer waren da, also weit entfernt von ausverkauft.

Mal schauen wann die 400 Griechen kommen. Der Gästeblock war nur spärlich besetzt und auch hier vermuteten wir, dass es sich um ein weiteres Märchen handelte. Das riesige Polizeiaufgebot war zu diesem Zeitpunkt nicht nachvollziehbar.

Während der ersten Halbzeit wurde es aber hektisch hinter dem Gästeblock. Es fuhren doch tatsächlich drei Reisebusse mit Panathinaikos Fans mit großer Polizei Eskorte vor und ungefähr zur 25.Minute waren alle im Block. Wahrscheinlich wurde man vorher intensiv bearbeitet und so kam kein verbotenes Material in den Block und die Gäste mussten sich auf den akustischen Support konzentrieren.

Wenn die wirklich den ganzen Weg von Athen kamen, dann waren das mehr als 1.400 km Anreise im Bus über Balkanstraßen um verspätet im Block zu stehen. Absoluter Wahnsinn! Dann auch noch das ganze Spiel über und eine lange Gästeblocksperre im Regen stehen. Größter Respekt!

Die FK Borac Fans standen ebenfalls im Regen in ihrer markanten Kurve hinter dem Tor, lieferten aber leider auch keine optischen Besonderheiten. Da hatten wir bei dem Anlass und dem Gegner mehr erhofft. Immerhin gut aufgelegt und am provozieren. Ein paar Panathinaikos Artikel mussten öffentlichkeitswirksam dran glauben.

Auch die Gegengerade in Banja Luka hatte richtig Bock. Sie stimmte manchmal eigene Lieder an und war beim pöbeln und “Dinge-Richtung-Gästeblock-werfen” weit vorne. Soweit, dass es den Ordnungskräften zu viel wurde. Der Puffer zum Gästeblock musste erweitert und dazu die Fans auf der Geraden weiter zurück gedrängt werden um sie außerhalb von Wurfreichweite zu den Gästen zu bringen.

Banja Luka holt ein respektables Unentschieden, dass fast wie ein Sieg gefeiert wurde. Wir gönnten uns noch eine Pizza im Stadion Umfeld, insbesondere da es im Stadion wieder nur Vogelfutter gab. Werde ich auch nie verstehen. Da ist man eine Meisternation am Grill und im Stadion wird sowas dann nicht angeboten. Verschenkte Chance! 

Locker eine halbe Stunde nach dem Spiel war die Pizza fertig und die Panathinaikos Fans wurden immer noch im Gästeblock festgehalten.

Wir hingegen waren drei Minuten später bereits wieder im warmen und trockenen Hotelzimmer und ließen den Abend vor der Glotze im Fußball Übertragungen ausklingen.