"Wir machen gut Strecke!"

82.) Tunesien

Stadion:

La Marsa – Stade Abdelaziz Chtioui

Spiel:

02.04.2023 – Avenir Sportif de La Marsa vs Club Sportif de Korba

Tunesien, Ligue 2 – 1:0 – Z: 400

Bilder aus Sidi Bou Saïd:

http://www.sportandtravel.de/2023-04-02-sidi-bou-said-tunesien/

Report:

Nach dem Champions League Spiel, das bis in den heutigen Morgen hinein ging, war ausschlafen bis Mittag angesagt. Danach machte ich mich gemütlich mit dem Vorortzug auf in Richtung La Marsa für ein weiteres Spiel in der zweiten Liga.

Leider zu gemütlich, denn es wurde mal wieder knapp. Ich musste in La Marsa einige Stationen früher aussteigen um überhaupt noch die Chance zu wahren pünktlich anzukommen. Dabei spekulierte ich ein bisschen auf die Gastfreundschaft der Tunisier und wurde nicht enttäuscht.

Bei zwei sehr netten Tunesierinnen ließ ich meinen angeborenen und unwiderstehlichen Charme spielen und sie fuhren mich die paar Kilometer direkt vor das Stadiontor. Zu Fuss wäre das kaum zu schaffen gewesen. Dabei waren sie mir noch dankbar, da sie mal wieder ihre Englischkenntnisse an mir ausprobieren konnten.

Vor dem Stadion war keine Kasse aufzutreiben und auch den fliegende Tickethändler ließen sich nicht erkennen. Hier kam mir ein weiterer Einheimischer zu Hilfe. Obwohl er kein Wort deutsch oder englisch konnte, erkannte er mein Problem und meinte ich soll ihm einfach folgen. Am Stadioneingang vermittelte er dem Ordner meine Situation und dass ich Tourist sei und so ließ mich der Ordner ohne Ticket ins Stadion. Merci beaucoup!

Hier traf ich noch drei Schweizer Hopper die auch beim gestrigen Champions League Spiel waren. Grüße an dieser Stelle! Heute herrschte dann wieder tunesischer Zweitliga Alltag. Dieser ist dann doch recht interessant wenn der Heimmob Bock auf Support hat. Denn dann machen auch die älteren Semester fleißig mit und es kommt trozt Mistwetter richtig Stimmung im kleinen Stadion auf. Erst recht wenn es um den Aufstieg geht.

Einen kleinen Eindruck davon gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=bKau5bpj88U

Heute wechselten sich Regen und Sonne ab und ich riskierte nach dem Spiel die Chance für einen Besuch im Nachbarort Sidi Bou Saïd. Dazu lief ich ein paar Meter die Hauptstraße entlang und ließ mich dann ein paar Kilometer den Berg rauf in den wunderschönen Küstenort fahren.

Ab und zu kam nochmal die Sonne raus und die Stadt mit ihren weiß angestrichenen Häusern und blauen Tür-und Fensterrahmen erstrahlte in voller Pracht.

Außerhalb der Saison und Ramadan also waren nur wenige Touristen unterwegs. Was für eine Besichtigung sehr angenehm ist. Alle Bilder dazu gibt es wie immer oben im Link.

Zum Abend fuhr ich mit dem Zug wieder zurück nach Tunis. Letzter Programmpunkt der Reise war am nächsten Tag noch ein bisschen durch die Hauptstadt laufen und ein paar Souveniers einkaufen. In der Nacht ging dann der Flieger zurück nach Hamburg.

Mit Tunesien und wurde erstaunlich günstig ein neuer Länderpunkt außerhalb Europas eingefahren. Dadurch dass ich Europa komplett habe, gehen Reisen zu neuen Länderpunkten im Zweifel sehr weit und sind allein schon bei der Anreise nicht gerade günstig. Die Länder in Nordafrika sind die wenigen noch preisgünstig zu machenden Länder.

Hierbei stimmte das Gesamtpaket in Tunesien mit Fußball, Volleyball und Sightseeing und gab einen Vorgeschmack auf das was man in Nordafrika so erleben kann.

Stadion:

Radès – Stade Hammadi Agrebi / Stade Olympique de Radès

Spiel:

01.04.2023 – Espérance Sportive de Tunis vs CR Belouizdad

CAF Champions League, Gruppe D – Runde 6 – 0:0 – Z: 30.000

Tunis Medina und Souk:

http://www.sportandtravel.de/2023-03-31-tunis-medina-und-souk/

Tunis Marché Central:

http://www.sportandtravel.de/2023-04-01-tunis-marche-central/

Report:

Für das Spiel von Espérance hatte ich über showaround eher zufällig Oussema kennengelernt, der mir eigentlich die Stadt zeigen wollte, aber als  Espérance Fan natürlich noch mehr Lust hatte mit mir zusammen zum Spiel zu fahren. Zusammen mit Tim trafen wir ihn und einen Kumpel in der Innenstadt. Ich dachte der Kollege hätte ein Auto aber da lag ich falsch.

Oussema wollte mit einem Kleinbus und mit Zwischenstopp bei einem Kumpel zum Stadion fahren. Dazu liefen wir Richtung Hauptbahnhof. Tim und mir schwante da schon übles. Diese absolute Ruhe die er und sein Kumpel weghatten, ein Fahrt mit dem Vorortsammelbus der an jeder Milchkanne hält und dann noch unterwegs einen Kumpel treffen. Das konnte doch nicht gut gehen.

Geistesgegenwärtig war ich mir mit Tim einig, dass wir über Bolt (eine Taxi App wie Uber oder Grab) eine Taxi ordern. Das war nicht teuer und fuhr auf der Stelle, ohne Zwischenhalte und zügig direkt zum Stadion. Tim und ich teilten uns die Kosten und luden die anderen beiden ein.

Die vermutliche Odyssee durch die Vororte von Tunis wollten wir uns unbedingt ersparen. So waren wir überpünktlich am Stadion. Lieber so als kurz vor knapp angehetzt zu kommen.

Die Ansetzung Espérance Sportive de Tunis gegen den Vertreter aus Algerien CR Belouizdad war das Hauptspiel der Tour und das aus mehreren Gründen.

Los geht es damit, dass das Tunis Derby Espérance gegen Club Africain durchaus sehenswert ist, aber nach meiner Kenntnis auf mehrere Jahre jeweils ohne Gästefans stattfinden soll. Das Spiel hatte ich schon länger auf dem Zettel, aber unter diesen Umständen kann man sich das sparen.

Der Tunesier an sich kann beim Fußball ja ganz gut durchdrehen, daher musste eine andere stimmungsvolle Ansetzung her, die mit dem Champions League Spiel gefunden wurde. Hier sind nämlich Gästefans erlaubt.

Des Weiteren war es das letzte Gruppenspiel und die Begegnung des Ersten gegen den Zweiten. Also auch sportlich beste Voraussetzungen.

Außerdem sind Aufeinandertreffen zweier Nordafrikanischer Teams, Spiele bei denen man tatsächlich mit Gästefans rechnen kann. Scheinbar spricht man im Volksmund bei solchen Spielen im von Nordafrikanischen Derbys.

Bei Begegnungen mit Mannschaften aus anderen Teilen Afrikas tauchen eher selten oder wenige Gäste auf. Einfach weil die Distanzen viel schwieriger zu überbrücken sind als in Europa. Hier kann man zur Not ins Auto oder den Bus steigen und über gut ausgebaute Autobahnen kurzfristig von Budapest nach Lissabon fahren. Sowas ist in Afrika größtenteils nicht so einfach möglich. Hinzu kommen die teuren Flugpreise, die sich vielerorts in Afrika kaum einer mal eben so leisten kann.

Von Algerien nach Tunesien zu kommen und umgekehrt ist da schon deutlich machbarer. Beim Hinspiel waren mehrere Tausend Espérance Fanatics in Algerien. Für das Rückspiel hatten sich ebenfalls Gästefans von Chabab Riadhi de Belouizdad angekündigt.

Alle Spiele der beiden großen Tunis Clubs und internationale Begegnungen auf Nationalmannschaft- und Clubebene finden im Stade Hammadi Agrebi / Stade Olympique de Radès statt. Diese 60-tausender Space-Schüssel ist etwa 15 km außerhalb von Tunis.

Das Stadion füllte sich etwa zur Hälfte. Aus Algerien waren ungefähr 1.000 Gästefans angereist. Diese beflaggten ihren Bereich genauso gut wie die Heimfans und zogen außerdem rote und weiße Stoffbahnen über ihren Block. Das wirkte schon ein wenig südamerikanisch.

Die Heimseite bereitete leider keine größere Tifoaktion vor. Ihnen wurde Zuschauersperre für die nächsten Spiele angedroht, wenn Pyrotechnik gezündet wird. Man hätte ja auch mit anderen Mitteln eine Choreo machen können, da Pyro für die Esperance Fans aber unbedingt dazu gehört wurde gänzlich auf Tifo verzichtet.

Vereinzelt gingen Fackeln an, diese verschwanden aber ganz schnell wieder und der “Zünder” wurde unsanft zurechtgewiesen, da man auf keinen Fall eine Sperre riskieren wollte.

Der Belouizdad Mob hingegen war lattenheiß auf Bengalos und zündelte wild drauf los. Die gleiche Pyroshow gab es das Spiel über bestimmt fünf sechs Mal, beginnend mit dem Einlaufen der Mannschaften wo außerdem noch rote und weiße Luftballons zum Einsatz kamen. Die Gäste hatten richtig Bock!

Wenigstens akustisch lieferte Esperance ab. Die Kurve war top aufgelegt und wenn das ganze Stadion mit einstimmte wurde es brachial laut. In wenigen Phasen dazwischen konnte man auch mal die Gäste hören. Insgesamt also gute Auftritte. Ein Heimchoreo hätte diesen Nordafrikaknaller perfekt gemacht. Da wird in den nächsten Runden sicher noch mal was kommen.

Leider gab es auch keine Torjubel, da das Spiel 0:0 endete. War ja klar.

Für mich gab es die Premiere und das Kuriosum: das erste Spiel das über zwei Tage ging! Denn mit Anstoß um 23:00 Uhr lief das Spiel bis zum nächsten Tag 1:00 Uhr. Für mich das erst Mal und die späteste Anstoßzeit jemals.

Nach dem Spiel ging es mit Tim, Oussema und zwei seiner Kumpel erstmal ein ganzes Stück zu Fuß Richtung Tunis. Sein Vater wollte uns abholen, aber die Straßen zum Stadion waren noch gesperrt. Also war laufen angesagt. Hier hatten wir erstmal den Vorteil gegenüber den ganzen Autos die am Stadion geparkt hatten. Diese standen natürlich in einem tunesischem mega Stau. Nur löste sich dieser auch irgendwann auf und wir liefen immer noch.

Irgendwann trafen wir dann doch noch auf den Vater und seinen Pickup. Da wir nun zu sechst waren musste ein Kumpel von Oussema  auf der Ladefläche platz nehmen. Diesen lieferten wir zuerst zu Hause ab und entfernten uns dabei selbstverständlich noch von Tunis.

Als wir ihn los waren, verfuhr sich Daddy noch mal kurz, ja sicher! und dann ging es doch tatsächlich Richtung Tunis. Wahrscheinlich waren wir die letzten Doofies die vom Spiel in Tunis zurückkehrten. Die Jungs waren echt nett und gastfreundlich, aber eben auch absolute Schnarchtüten. So ist das manchmal.

In Tunis angekommen verabschiedeten wir uns kurz und wollten nur noch ins Hotel nach dem langen Fußballtag. Immerhin dieser war sehr ereignis-und erfolgreich.

Stadion:

Hammam-Lif – Stade Bou Kornine

Spiel:

01.04.2023 – CS Hammam-Lif vs SC Ben Arous

Tunesien, Ligue 2 – 2:1 – Z: 350

Bilder aus Tunis:

http://www.sportandtravel.de/2023-03-31-tunis-tunesien/

Report:

Für ein verlängertes Wochenende sollte es nach Tunesien gehen. Als Hauptziel wurde das Heimspiel von Espérance Sportive de Tunis in der afrikanischen Champions League ausgegeben. Der Rest sollte sich kurzfristig und spontan drum herum ergeben.

Mit Flügen über Frankfurt ging es Mittwoch Abend mit Lufthansa in die Hauptstadt Tunis. Eigentlich sollte es am Donnerstag Vormittag losgehen, aber die Flüge wurden gestrichen und verschiedene Alternativen angeboten. Der Mittwochabend war dabei noch die brauchbarste Option.

Spät in der Nacht bzw. bereits am Donnerstag Morgen angekommen entschied ich mich spontan noch eine Hotelübernachtung, im Hotel das ich für die nächsten Tage hatte, zu buchen. Der Flughafen war irgendwie nicht so einladend.

Obwohl es mitten in der Nacht war, kein regulärer Bus mehr fuhr und die Taxis nun die Monopolstellung hatten, brachte mich der Fahrer nach kurzer Verhandlung zum fairen Kurs direkt in die Innenstadt zum Hotel. Dort im Wifi dann zum vergünstigten Kurs über Booking das Zimmer gebucht und nach kurzen Formalitäten konnte ich dieses beziehen.

Nach kurzer Nacht ging es zu Fuß Richtung Trainingsgelände und Geschäftsstelle von Espérance nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Dort wurde die Zugangsberechtigung für das Spiel besorgt und Infos zu weiteren Sportaktivitäten des Vereins in den nächsten Tagen eingeholt.

Am Freitag Mittag sollte ein Damen Volleyballspiel zwischen Espérance und Sfaxien in der angrenzenden Sporthalle stattfinden. Das nehmen wir doch gerne mit. http://www.sportandtravel.de/2023-03-31-esperance-sportive-de-tunis-vs-club-sportif-sfaxien/

Der Nachmittag wurde dann mit einer kleinen Stadtbesichtigung verbracht. Dazu fuhr ich mit der Straßenbahn in der Nähe der Geschäftsstelle zurück in die Innenstadt. Während meines Aufenthalts in Tunesien war Ramadan und deshalb waren tagsüber viele Geschäfte geschlossen und öffneten erst am Abend.

Trotzdem war die Innenstadt rund um den Bahnhof, im Souk und der Medina recht geschäftig. Außerdem reden wir von Anfang April also etwas außerhalb der Saison und trotzdem war einiges an Gewusel los. Ich möchte gar nicht wissen was in Tunis los ist, wenn kein Ramadan ist und innerhalb der Urlaubssaison. Dann herrscht hier sich noch viel bunteres Treiben. 

Die Bilder zum Sightseeing gibt es wie immer oben im Link.

Am Samstag, dem Tag des Champions League Spiels das erst um 23 Uhr! begann, sollte am Nachmittag noch ein machbares Spiel in der zweiten Liga stattfinden. In Hammam-Lif ca. 30 Minuten mit dem Vorortzug in Richtung Rades dem Austragungsort des Abendspiels.

Kurioserweise hat das Stadion seine eigene Bahnstation den Arret du Stade, Von hier sind es nur wenige Meter bis zum Stade Bou Kornine. Für 5 Tunesische Dinar, umgerechnet schlappe 1,50 EUR gab es den Einlass ins Stadion fast direkt am Meer. Hier erkannte ich sofort einen weiteren Vertreter der Hopping Spezies. Tim aus Dresden war mit seiner Familie in Tunesien im Urlaub und sonderte sich jeweils für die Fußballspiele ab.

Wir schauten zusammen das Spiel und konnten uns nach 90 Minuten gegenseitig zum Länderpunkt gratulieren. Auch er hatte das Spiel von Espérance auf dem Zettel und so verabredeten wir uns für den Abend zur gemeinsamen An-und Abreise.

Davor fuhren wir aber noch mal zurück nach Tunis, da eben noch reichlich Zeit war. So konnte ich nochmal ins Hotel zum frisch machen und zum Essen fassen.